Ressourcen Forum Austria

Erstes Nationales Ressourcenforum | Nachbericht

Auf dem Weg zu einem effizienten Österreich:
Internationale Experten diskutierten am Ersten Nationalen Ressourcenforum über Ressourceneffizienz in Unternehmen, Ressourcenmanagement in Regionen sowie über die europäische und nationale Ressourcenpolitik. Das Nationale Ressourcenforum fand nach dem Vorbild des Weltressourcenforums und des Europäischen Ressourcenforums am 21. und 22. Jänner 2015 zum ersten Mal in Salzburg statt.

Natürliche Ressourcen sind wichtige Produktionsfaktoren und Grundvoraussetzung für Wohlstand und erfolgreiches Wirtschaften. In Zeiten steigender Preise und erschöpfter Tragfähigkeit ist Ressourceneffizienz daher ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Knapp 200 Experten und Interessierte folgten der Einladung des Ressourcen Forum Austria und nahmen am 21. und 22. Jänner 2015 am Ersten Nationalen Ressourcenforum in Salzburg teil. Die Diskussionsrunde am 21. Jänner 2015 bestehend aus Angela Köppl, WIFO, Christian Helmenstein, Industriellenvereinigung und Mathis Wackernagel, Global Footprint Network konstatierte gemeinsam: “Die globale Ressourcennutzung hat mittlerweile ein Niveau erreicht, welches die Tragfähigkeit der Erde übersteigt”. Die Steigerung der Ressourceneffizienz zählt deshalb zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Wirtschaft und Gesellschaft stehen im ständigen Wettbewerb um ökologisch produktive Flächen. Die entscheidende Frage lautet: Reichen die vorhandenen Ressourcen aus, um all das bereitzustellen, was wir konsumieren? „Österreicher verbrauchen im Durchschnitt dreimal mehr von der Natur, als der Lebensraum Österreich pro Kopf regenerieren kann. Im Jahr 2014 hat die Welt bereits am 19. August den Jahresvorrat an erneuerbaren Ressourcen aufgebraucht. Dieser Tag wird auch als Overshoot Day bezeichnet. Ab diesem Zeitpunkt waren wir auf einen Kredit der Erde angewiesen und bauen ihre Reserven ab. In einer Welt im Overshoot wird daher ein Ressourcendefizit zum Risiko, auch für Österreich!“, mahnte Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Network in seiner Keynote. Geht man von dem Trend der aktuellen weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen aus, würden im Jahr 2050 die Ressourcen von drei Planeten benötigt werden. Aufgrund dieses hohen Materialkonsums und der steigenden Nachfrage bei gleichzeitiger Verknappung wird die Regenerationsfähigkeit der Natur – die Biokapazität – nun auch zu einem limitierenden Faktor für die Wirtschaft. „Ressourcen sind ein zentrales Thema für Wirtschaft und Gesellschaft in Europa – und auch in Österreich. Daher haben wir vor Kurzem das Ressourcen Forum Austria gegründet. Wir sehen in der Ressourcenfrage aber nicht ein Problem, sondern eine Chance“, betonte Rudolf Zrost, Präsident des Ressourcen Forum Austria, die Motivation des Vereins.

Aktuelle Entwicklungen weltweit

Momentan führen Kuwait, Singapur, Dänemark und USA mit ihren Fußabdrücken die Negativ-Rangliste an, das größte Wachstum des Pro-Kopf-Verbrauchs findet aber in den Schwellen- und Entwicklungsländern statt. Gerade Länder mit niedrigem Einkommen erleben schon heute ressourcenbedingte Probleme. „Wenn die Ressourcen immer knapper werden, steigen die politischen Risiken. Ein Umstand, der der Wirtschaft durchaus bewusst ist. Forschung, Design-Änderungen, Innovation und Recycling bieten Möglichkeiten, einer künftigen Knappheit entgegenzuwirken. Deshalb begrüße ich Initiativen wie das Ressourcen Forum Austria, die wesentlich zu einem Dialog von Wissenschaft und Wirtschaft beitragen“, beschrieb Xaver Edelmann, Präsident des World Ressources Forum, die momentane Entwicklung.

Im Jahr 2014 hat die Welt bereits am 19. August den Jahresvorrat an erneuerbaren Ressourcen aufgebraucht. Heutzutage leben 83 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, die von einem ökologischen Defizit betroffen sind.

Länder mit ökologischer Reserve bzw. Defizit © Global Footprint Network

Was bedeutet das für Österreich?

Europa wie auch Österreich sind stark von Rohstoffimporten aus dem Ausland abhängig. Durch die steigende Nachfrage bei gleichzeitiger Verknappung der Ressourcen steigen die Preise auf den Weltmärkten. „Eine höhere Ressourceneffizienz ist daher ein wichtiger Kosten- und Wettbewerbsfaktor für Unternehmen. Damit sind nicht ausschließlich Produktionsprozesse oder Abfallmanagement gemeint, sondern ebenfalls Änderungen an Produkten und Dienstleistungen. Ressourceneffizienzstrategien können daher gleichzeitig auch Motor für Innovationen sein“, so Rudolf Zrost weiter. Die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich kann langfristig nur aufrecht erhalten werden, wenn die Lohnstückkosten wie auch die Materialstückkosten gesenkt werden. Ein schonender und gleichzeitig effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen wird daher eine Schlüsselkompetenz zukunftsfähiger Gesellschaften sein. Wachstum und Wohlstand müssen so weit wie möglich vom Einsatz natürlicher Ressourcen entkoppelt werden. Länder, deren Verbrauch sich im Rahmen ihrer Biokapazität hält, haben mehr Handlungsspielraum für Überschüsse und Exportgüter. „Gerade im Energiebereich sind wir noch in hohem Maße von Importen abhängig. Obwohl wir mit einem Anteil von 45,2 % erneuerbarer, heimischer Energie in Salzburg vergleichsweise sehr gut dastehen, haben wir uns in Salzburg ehrgeizige Ziele gesetzt. Im Jahr 2020 wollen wir 50 % des Energiebedarfs aus heimischen, erneuerbaren Quellen gewinnen. Im Jahr 2050 soll Salzburg auf Jahressicht 100 % energieautonom sein. Klar ist jetzt schon, dass das nur gelingen kann, wenn wir noch effizienter mit Energie umgehen als bisher. Wir arbeiten dazu gerade am Masterplan Klimaschutz und Energie. Dieser wird vorsehen, dass mehr als 50 % der Zielerreichung durch Einspar- und Effizienzmaßnahmen erreicht werden soll“, so Dr. Josef Schwaiger, Landesrat in Salzburg.

Politische Initiativen

Auf EU-Ebene ist Ressourcenschonung eine der sieben Leitinitiativen. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hat mit „RESET 2020“ ein Strategie- und Maßnahmenprogramm mit dem Ziel entwickelt, den österreichischen Ressourcenverbrauch zu reduzieren und die Chancen, die sich durch einen effizienteren Umgang mit Ressourcen ergeben, innovativ und erfolgreich zu nutzen. „Ressourcenpolitik ist längst mehr als ein ökologischer Imperativ: Ressourcenknappheiten, -preise und die Importabhängigkeit Österreichs und Europas von wichtigen Rohstoffen begründen die Relevanz einer breit getragenen Ressourceneffizienz-Offensive auch als zentrale wettbewerbspolitische Herausforderung“, erklärte Wolfram Tertschnig, Abteilungsleiter der Abteilung I/3 im BMLFUW die Notwendigkeit politischer Initiativen.

Ergebnisse Ressourcennutzungsbericht

Österreich liegt beim Materialkonsum – auch konjunkturell bedingt – an sechster Stelle deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Die Schlüsselfrage zu einer nachhaltigen Zukunft lautet: „Lässt sich auch mit weniger Ressourcenkonsum mehr gesellschaftlicher Nutzen erzeugen oder haben wir nur die Wahl zwischen einer entbehrungsreichen umweltfreundlichen oder einer unnachhaltigen zerstörerischen Zukunft?“. Dieser Frage ging Anke Schaffartzik vom Institut für Soziale Ökologie der Universität Klagenfurt nach. Sie präsentierte erstmalig Ergebnisse des aktuellen Ressourcennutzungsberichts für Österreich. Der durchschnittliche Ressourcenverbrauch pro Kopf lag 2012 in den EU-27-Staaten bei 13,5 Tonnen. Ein Vergleich der Länder zeigt deutlich, dass große Unterschiede bestehen. Ein erhöhter Ressourcenverbrauch steigert jedoch nicht die Lebenserwartung. 12 der EU-28 Länder – darunter auch Österreich – haben einen überdurchschnittlichen Materialkonsum und eine Lebenserwartung von über 75 Jahren. 10 Länder hingegen haben einen unterdurchschnittlichen Materialkonsum und ebenfalls eine Lebenserwartung von über 75 Jahren. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Happy-Planet-Index, der Lebensqualität mit dem ökologischen Fußabdruck vergleicht: Ein erhöhter Ressourcenverbrauch führt nicht zu erhöhtem Wohlbefinden. 40 Prozent der europäischen Bevölkerung leben in vier Ländern (Frankreich, Italien, Niederlande, Vereinigtes Königreich), in denen der Materialkonsum unter dem europäischen Durchschnitt liegt und Lebenserwartung und Wohlbefinden hoch sind. Hingegen leben 25 Prozent der europäischen Bevölkerung in 9 Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Irland, Zypern, Luxemburg, Österreich, Finnland, Schweden), in denen der Materialkonsum über dem europäischen Durchschnitt liegt und Lebenserwartung und Wohlbefinden im hohen Bereich liegen. Leben 2050 alle Menschen auf der Erde nach dem Vorbild der Österreicher im Jahr 2012, wäre der weltweite Materialkonsum dreimal so hoch wie 2010. Würde jeder Mensch 2050 so viel Material konsumieren wie ein Europäer im Jahr 2012, wäre der Materialkonsum 1,8-mal so hoch wie 2010. Würden wir das Pro-Kopf-Niveau von 1950 erreichen, wäre der Fußabdruck von 2010 um knapp ein Drittel reduziert.

Ökologischer Fußabdruck Österreichs © Global Footprint Network

Ökologischer Fußabdruck Österreichs © Global Footprint Network

Was bringt die Zukunft?

Betrachtet man den Index der menschlichen Entwicklung (HDI) gemeinsam mit dem Materialkonsum, so zeigt sich, dass wir immer weniger „Material“ brauchen, um ein gutes Leben (sehr hoher HDI) führen zu können. Der Index ging beispielsweise zwischen 1980 und 2010 um mehr als 50 Prozent zurück. 1980 war der Verbrauch pro Kopf mit 35,2 Tonnen noch sehr hoch. 2010 lag der Verbrauch bereits bei 16,7 Tonnen pro Kopf. Geht man von einer gleichbleibenden Entwicklung wie in der letzten Dekade aus, wäre 2050 ein hoher Wohlstand bereits mit 9,2 Tonnen pro Kopf möglich – in Österreich wäre mit weniger wirklich mehr möglich.

Wie die konkrete Umsetzung einer ressourceneffizienten Entwicklung in den Handlungsfeldern, Wirtschaft, Verwaltung und Politik aussehen kann, diskutierten am 22. Jänner 2015 im Heffterhof hochkarätige Experten unter reger Beteiligung von knapp 200 Teilnehmern

Ein ausführlicher Nachbericht ist demnächst abrufbar unter www.ressourcenforum.at.

(Salzburg/Ressourcen Forum Austria)