Aus Leerstand: „PopUp“! | Ressourceneffiziente Gemeinde News

Um Leerstände in der historischen Altstadt zu vermeiden und diese somit vor dem Verfall zu schützen, griff die Gemeinde Enns zu einer innovativen Lösung: dem „Leerstandsbeauftragten“. Zwei Jahre später sind viele ehemalige Leerstände wieder belebte Läden. Die einstige Notmaßnahme hat sich inzwischen in ein wirtschaftlich attraktives Selbstläufermodell verwandelt.

 

Gemeinde: Enns (OÖ), 11.937 EW

Durchgeführte Maßnahmen:

Der Ennser Wirtschaftsverein, der Ennser Tourismus und die Stadtgemeinde Enns bestellten einen „Leerstandsbeauftragten“, um das Problem leerstehender Lokale in der Ennser Altstadt auf operativer Ebene und gesamtheitlich lösen zu könne. Der Leerstandsbeauftragte erfasste die Leerstände, kontaktierte die EigentümerInnen, suchte potenzielle MieterInnen und vernetzte diese. Auch organisierte er Unterstützung für die neuen MieterInnen hinsichtlich Anfangseinrichtung und Marketing für die neu eingezogenen Geschäfte. Ein Jahr nach dem operativen Stelleneintritt des Leerstandsbeauftragten wurde die Anzahl der Leerstände um 20% reduziert.

Der Weg zum Erfolg:

Der historischen Altstadt von Enns drohte, aufgrund der vielen leerstehenden Geschäftslokale, der Verfall. 2016 riefen der Ennser Wirtschaftsverein, der Ennser Tourismus und die Stadtgemeinde Enns daher eine bis zum Zeitpunkt einzigartige Position, d.h. jene eines „Leerstandsbeauftragten,“ ins Leben. Das Ziel war es, dass der Leerstandsbeauftragte die Situation der Leerstände erfasste und nach umsetzbaren Möglichkeiten suchte, diese dauerhaft neu zu vermieten.

Der Leerstandsbeauftragte, Herr Max Komolka, identifizierte nach sorgfältiger Analyse die Stolpersteine für die potenziellen neuen MieterInnen: die hohen Mieten bei einer noch unsicheren Perspektive des Geschäftserfolgs, die Kosten für die Anfangseinrichtung und die Ausgaben für professionelles Marketing. Um die potenziellen MieterInnen dabei finanziell zu unterstützen, wurde ein LEADER-Projekt erfolgreich eingereicht. Somit konnten die potenziellen neuen Geschäftsleute eine günstige Anfangseinrichtung erhalten sowie professionelle Hilfe für die Bewerbung ihres Geschäfts.

Hinsichtlich der hohen Mieten war ebenfalls eine Lösung notwendig. Daher nahm der Leerstandsbeauftragte gleichzeitig Kontakt mit den EigentümerInnen der leerstehenden Lokale auf. Die allgemeine Einstellung dieser war durch eine sehr hochgegriffene Mietvorstellung charakterisiert, darunter waren die EigentümerInnen nicht bereit zu vermieten. Der Leerstandsbeauftragte führte viele Gespräche mit Letzteren durch und schließlich konnte er sie überzeugen, für 6 Monate nur gegen Zahlung der Betriebskosten seitens der potenziellen MieterInnen die leerstehenden Lokale zu vermieten. In solch einem Zeitraum konnte gut abgeschätzt werden, ob die neue Geschäftsidee gute Aussichten auf Erfolg hätte oder nicht.

Die Vorteile waren für beide Seiten gegeben: für die EigentümerInnen, dass die Gebäude nicht verfielen und die Betriebskosten beglichen wurden, für die MieterInnen einen geringeren Kostendruck in der Anfangsphase ohne Verpflichtung zur dauerhaften Mietung. Sollte das Lokal auch nach den ersten 6 Monaten an denselben Kunden weitervermietet werden, sollte der Kunde neben den Betriebskosten nun auch die von den EigentümerInnen erwünschte Miete bezahlen. Wenn nicht, war es für die MieterInnen möglich, ohne Verluste aus dem Geschäft auszusteigen.

Derzeit (Juli 2018), d.h. nach nur 2 Jahren seit Beginn der Aktion und etwa einem Jahr operativer Arbeit, sind nicht nur 20% (bezogen auf die Anzahl) der ursprünglich bestehenden Leerstände vermietet worden, wovon 11 Leerstände auf Dauer, sondern darüber hinaus etablierte sich dieses Geschäftsmodell zu einem Selbstläufer: anstatt die EigentümerInnen aufsuchen zu müssen, wenden sich diese jetzt selbst an den Leerstandsbeauftragten.

Herausforderungen und Lösungen:

Es gibt einige Möglichkeiten das Problem „Leerstand“ erfolgreich zu lösen (Abriss und Neubau; Renovierung, insbesondere für denkmalgeschützte Gebäude, etc.), jedoch funktioniert nicht immer ein und dieselbe Lösung in allen Gemeinden. D.h. es soll ausprobiert werden, welche Vorgehensweise die richtige in der konkreten Gemeinde unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist und am besten zu empfehlen wäre. Somit bietet das hier beschriebene Konzept eine Option, welche mittlerweile auch in anderen Gemeinden, einschl. in Deutschland, erfolgreich „exportiert“ worden ist.

Das vorgestellte Modell setzt auch voraus, dass die zu vermietenden Leerstände nicht bereits in Abrissqualität sind, denn dann können sie praktisch nicht langfristig vermietet werden.

Dieses Modell setzt zudem eine starke Vernetzung und daher viel Engagement seitens des „Leeerstandsbeauftragten“ voraus. Um den Kostendruck auf neue UnternehmerInnen verringern zu können, ist aktive Zusammenarbeit mit EigentümerInnen und ferner den Gemeindemitgliedern sowie Stakeholdern notwendig.

Eine Variante dieses Modells ist die Vernetzung zwischen älteren und jüngeren Geschäftsleuten in bereits gut laufenden Lokalen, z.B. kleine Änderungen, welche den nötigen „Pepp“ eines 40-jährigen Geschäfts verleihen.

Erzielte Ergebnisse:

  • nachhaltige Flächennutzung im historischen Ortskern
  • bessere Auslastung der bestehenden Infrastruktureinrichtungen

Erzielte wirtschaftliche Effekte:

  • Erhalt bzw. Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze in der Gemeinde
  • Unterstützung von Start-ups in der Anfangsphase, mit finanziellen Vorteilen sowohl für die MieterInnen als auch für die VermieterInnen
  • zusätzliche Einnahmequelle durch wiederbelebten Tourismus im Ortskern

Erzielte ökologische Effekte:

  • nachhaltige Flächennutzung und damit Nutzung von bestehenden Ressourcen
  • Vermeidung von Leerstand und Gebäudeabriss
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Kontakt

Max Homolka
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