Digitaler Produktpass – Schlüsselelement der Kreislaufwirtschaft
Die Kreislaufwirtschaft braucht Daten – und der Digitale Produktpass (DPP) wird dabei zum unverzichtbaren Werkzeug der zirkulären Transformation. In der Breakout-Session „Digitaler Produktpass – Schlüsselelement der Kreislaufwirtschaft“, organisiert in Kooperation mit der Plattform Industrie 4.0, wurde gezeigt, wie der DPP Unternehmen dabei hilft, Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen – von der Produktion über die Nutzung bis zur Wiederverwertung. Denn bislang besteht oftmals noch ein mangelhafter Zugang zu relevanten Informationen für verschiedene Akteure entlang der Wertschöpfungskette.
Einblick in den Stand der Dinge: Grundlagen und Regulierungen
Verena Halmschlager von der Plattform Industrie 4.0 eröffnete die Session mit einem umfassenden Überblick über den rechtlichen und technischen Rahmen des DPPs. Der DPP, verankert in der neuen EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR), wird für eine Vielzahl von Produkten verpflichtend – darunter Textilien, Elektronik, Stahl und Bauprodukte. Er bündelt strukturierte Informationen wie Materialzusammensetzung, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und CO2-Fußabdruck und macht sie maschinen- und menschenlesbar zugänglich – etwa über QR-Codes oder digitale Schnittstellen. Ziel ist ein standardisiertes System, das auch für KMU anwendbar ist und langfristig den nachhaltigen Umbau der Produktwirtschaft unterstützt.
Praxisbeispiel Löffler: Transparenz als Wettbewerbsvorteil
Wie der DPP konkret umgesetzt werden kann, zeigte Markus Reisegger, Nachhaltigkeitsmanager bei Löffler – einem österreichischen Hersteller funktionaler Sportbekleidung. Bereits heute nutzt Löffler Instrumente wie „Retraced“ zur Rückverfolgung der Lieferkette und das OEKO-TEX® MADE IN GREEN-Label zur Darstellung ökologischer und sozialer Standards. Löffler dokumentiert nicht nur Produktionsprozesse, sondern betreibt auch interne Recyclinglogistik, um Abfälle aus der eigenen Produktion wieder in den Materialkreislauf zurückzuführen – etwa 10 Tonnen Polypropylen (PP) und 2 Tonnen Polyester (PES). Zusätzlich wird Second-Life-Textilien eine neue Nutzung ermöglicht. Der Digitale Produktpass soll künftig all diese Informationen bündeln – und so die Verbindung von Nachhaltigkeit, Innovation und Markenvertrauen stärken.
Innovation bei Silana: Fälschungssicherheit durch Nahtcodierung
Den technologischen Sprung wagte Michael Mayr von Silana, einem österreichischen Textil-Start-up, das weltweit die erste automatisierte Nährobotertechnologie mit fälschungssicherer Nahtcodierung entwickelt hat um dem Problem fehlender und unlesbarer Labels Herr zu werden. Anstatt auf externe Etiketten oder RFID-Chips zu setzen, wird ein einzigartiger Code direkt in die Naht des Kleidungsstücks integriert. Das ist diskret, unterstützt aufgrund Monomaterial die Recyclingfähigkeit, bietet überdies Fälschungsschutz und reduziert den Materialverbrauch – und damit ideal für den DPP. Außerdem reduziert es den Ressourcenverbrauch, da keine zusätzlichen Polyester-Etiketten oder metallische RFID-Chips notwendig sind. Diese innovative Lösung ermöglicht die eindeutige Identifikation von Produkten selbst nach Jahren der Nutzung – ein Durchbruch in der Produkttransparenz, Rückverfolgbarkeit und im Fälschungsschutz. Die Technologie ist bereits im PASSAT-Leuchtturmprojekt im Einsatz, das österreichischen Unternehmen beim Einstieg in den DPP praxisnah unterstützt.
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(01.12.2025)



