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Produzierende Wirtschaft

Erfolgreich Wirtschaften mit Kreislaufwirtschaft

Die Session „Erfolgreich Wirtschaften mit Kreislaufwirtschaft“ stand ganz im Zeichen eines Paradigmenwechsels: weg von der linearen Logik der Wegwerfgesellschaft – hin zu zirkulären, wirtschaftlich tragfähigen Lösungen. In Impulsen und Pitches zeigten Expert:innen und Unternehmen, wie sich mit langlebigen Produkten, intelligenten Rücknahmesystemen und digitalen Plattformen nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch neue Märkte erschließen und unternehmerische Resilienz stärken lassen.

Drei Zutaten für zirkulären Erfolg

Zum Auftakt stellte Christoph Soukup vom Steinbeis Beratungszentrum Circular Economy drei zentrale Faktoren vor, die zirkuläre Geschäftsmodelle erfolgreich machen: 

  • Ein passendes Geschäftsmodell, das Kreislauffähigkeit von Anfang an mitdenkt 
  • Ein neues Mindset, das Produkte nicht nur als Objekte, sondern als Träger von Leistungen versteht 
  • Ein funktionierendes Ökosystem, das Unternehmen, Partner und Kunden vernetzt (statt eines bestehenden Egosystems, das nur auf den eigenen Betrieb fokussiert)

Er betonte: Zirkuläre Wertschöpfung beginnt mit der Erkenntnis, dass Abfall oft nur eine Ressource am falschen Ort ist, dessen Wert durch Design zur Wiederverwendung und auch Produkten als „Vertriebsmechanismen“ für Dienstleistungen gehoben werden können. Zirkuläre Wertschöpfung sei nicht allein eine ökologische Frage, sondern auch ein strategisches Asset: Wer Ressourcen im Kreislauf hält, kann auf volatile Märkte besser reagieren, Kundenbindungen stärken und neue Geschäftsbereiche erschließen. Zudem verdeutlichte Soukup, dass Unternehmen nicht darauf warten sollten, dass „alles passt“, bevor sie starten. Im Gegenteil: Wer früh beginnt, kann Erfahrungen sammeln, sich differenzieren und Schritt für Schritt systematisch wachsen. 

Vom Messgerät zum Datenservice: Lorenz Meters

Wie sich diese Vision in die industrielle Realität übersetzen lässt, zeigte Wilhelm Mauß am Beispiel der Lorenz GmbH & Co. KG. Das mittelständische Unternehmen hat sich vom klassischen Hersteller von Wasserzählern zu einem Anbieter digital-zirkulärer Services entwickelt. Mit einem Mix aus Remanufacturing, Refurbishment und Product-as-a-Service-Modellen wird die Lebensdauer der hochwertigen Smart Meters verlängert, Material gespart und zugleich ein neues Geschäftsfeld erschlossen: Nicht das Messgerät selbst, sondern die Zählleistung wird zur verkauften Dienstleistung. Neben ökologischen Vorteilen wie geringerer Ressourcennutzung und Emissionseinsparung konnte auch die wirtschaftliche Seite überzeugen: stabile Kundenbeziehungen, Einsparungen in der Produktion und eine wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen. Die Rücknahmequote sei heute ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells – nicht als Pflicht, sondern als Wettbewerbsvorteil, der Kreislaufwirtschaft konkret erlebbar mache. 

Weitzer ReParkett: Holz neu gedacht

Ein inspirierender Pitch kam von Michaela Mayr (Weitzer Parkett), die mit ReParkett ein zirkuläres Erfolgsmodell aus der Holzbranche präsentierte. Hier wird hochwertiges Massivparkett nicht entsorgt, sondern aufgearbeitet, neu verlegt. Die Idee dahinter: Parkett, das Jahrzehnte gehalten hat, hat auch das Potenzial, noch einmal Jahrzehnte zu bestehen. Die Original-Patina trifft auf moderne Technik – und bringt sowohl Kundenmehrwert als auch neue Umsatzpotenziale für das Unternehmen. Die Kombination aus nachhaltigem Nutzen und stilistischer Aufwertung macht das Konzept für viele Kund:innen attraktiv – nicht zuletzt, weil es zeigt, dass Ressourcenschonung auch mit Ästhetik, Qualität und Emotionalität vereinbar ist. Entscheidend für den Erfolg sind dabei nicht nur die Prozesse, sondern auch das Mindset: Wer mit Überzeugung, Ausdauer und Freude an der Sache arbeitet, findet kreative Lösungen – auch für komplexe Herausforderungen. Gerade das Durchhalten ist ein zentrales Element, das wird im Beitrag von Michaela Mayr deutlich. Kreislaufwirtschaft braucht nicht nur Struktur, sondern auch Begeisterung – denn nicht jeder Versuch gelingt beim ersten Mal, und nicht jede Lösung ist sofort wirtschaftlich. Doch wer dranbleibt, wird belohnt. 

Concular: Plattformökonomie für den Gebäudebestand

Kathrina Rieger von Concular veranschaulichte, wie sich digitale Lösungen nutzen lassen, um Bauteile aus Rückbauprojekten systematisch wieder in den Wirtschaftskreislauf einzubringen. Mit Hilfe von Plattformtechnologien, Materialdatenbanken und Rücknahmeprogrammen werden gebrauchte Baustoffe katalogisiert, vermittelt und in neue Projekte integriert. Der Schlüssel liegt dabei im Zusammenspiel aus Technik, Branchenwissen und Kooperation – nur wenn alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette mitziehen, kann zirkuläres Bauen vom Pilotprojekt zur Praxis werden. Besonders wichtig sei der Dialog mit Herstellern, Architekturbüros und Behörden, um Barrieren abzubauen – etwa bei der Genehmigung, beim Brandschutz oder der Dokumentation von Bestandsmaterialien. 

Von Einzelfällen zum Systemwandel

Alle vorgestellten Modelle zeigten eindrucksvoll: Kreislaufwirtschaft ist kein Widerspruch zur Profitabilität – sondern ein tragfähiges Zukunftskonzept für Unternehmen, die über Effizienz hinausdenken wollen. Sie bietet Antworten auf Rohstoffknappheit, volatile Lieferketten und steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit – sowohl von Kund:innen als auch von der Politik. 

Zentrale Erfolgsfaktoren sind dabei:  

  • Langlebiges Design und modulare Produktarchitekturen 
  • Neue zirkuläre Logistik- und Geschäftsmodelle 
  • Digitale Tools, um Produkte, Materialien und Daten im Kreislauf zu halten 
  • Kultureller Wandel – von Besitz zu Nutzung, von Produktverkauf zu Leistungserbringung – von Besitz zu Nutzung, von Produktverkauf zu Leistungserbringung 

Wann funktioniert Kreislaufwirtschaft im Betrieb?

Zum Abschluss der Session lautete die zentrale Frage: „Kreislaufwirtschaft im Betrieb funktioniert, wenn…?“ Die Antworten der Referent:innen zeigten ein gemeinsames Muster: Kreislaufwirtschaft funktioniert, wenn man sich entscheidet, loszulegen. Nicht das Warten auf perfekte Rahmenbedingungen bringt Veränderung – sondern der erste Schritt. Ob groß oder klein, entscheidend ist das Tun. Drei englische Sprichworte blieben den Teilnehmer:innen dabei in Erinnerung:  

„Be part of the solution and not part of the pollution!” 

“Start small, think big – but start!” 

“The power of cooperation!”  

Kreislaufwirtschaft funktioniert dann, wenn Unternehmen bereit sind, bestehende Strukturen zu hinterfragen, neue Partnerschaften einzugehen und Wertschöpfung neu zu denken. Vor allem aber funktioniert sie, wenn Menschen mit Leidenschaft, Offenheit und einem gewissen Maß an Beharrlichkeit an der Sache arbeiten – auch wenn der Weg nicht immer einfach ist. Kreislaufwirtschaft ist damit kein rein technisches Projekt, sondern ein kultureller und unternehmerischer Lernprozess. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, entdeckt nicht nur neue Geschäftsmodelle, sondern stärkt auch die Widerstandsfähigkeit seines Betriebs gegenüber Krisen, Engpässen und gesellschaftlichem Wandel. 

Take-Home-Messages
  • Die Session zeigte deutlich: Kreislaufwirtschaft kann gelingen – sie kann erfolgreich, skalierbar und gewinnbringend sein. Sie eröffnet neue Wege für unternehmerisches Denken, für nachhaltige Produkte und für stabile Geschäftsmodelle. 

  • Voraussetzung dafür ist der Mut, ins Handeln zu kommen, Neues auszuprobieren und Kooperationen zu suchen. Denn Kreislaufwirtschaft ist Teamarbeit – und beginnt nicht bei der perfekten Lösung, sondern bei der Bereitschaft, anzufangen. Was heute in Pilotprojekten oder Nischen beginnt, ist morgen vielleicht Standard. Der Weg dorthin führt über Partnerschaften und Experimentierfreude.

  • In einer Welt, die zunehmend auf Ressourcenschonung, Langlebigkeit und Systemverantwortung angewiesen ist, wird zirkuläres Wirtschaften vom Nice-tohave zur Notwendigkeit – und genau darin liegt auch seine Kraft. 

Weiterführende Informationen
  • Dieser Text fasst Impulse & Pitches von Christoph Soukup (Steinbeis Berautungszentrum Circular Economy), Wilhelm Mauß (Geschäftsführer Lorenz Meters), Michaela Maye (Leitung Marketing & Kommunikation Weitzer Parkett) und Kathrina Rieger (Concular) zusammen, die im Rahmen des Sechsten Nationalen Ressourcenforums im Mai 2025 in Salzburg präsentiert wurden. Weitere Informationen zum Sechsten Nationalen Ressourcenforum finden Sie hier.

  • Alle Präsentationen finden Sie hier.

(01.12.2025)

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