Grußworte Heinz Schandl
Beim 6. Nationalen Ressourcenforum stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie viel Umwelt braucht die Wirtschaft? Der Global Resources Outlook, den ich gemeinsam mit meinen Kolleg:innen des International Resource Panel der UNEP veröffentlicht habe, gibt darauf ebenso deutliche wie alarmierende Antworten, zeigt aber auch mögliche Pfade in eine nachhaltige Zukunft auf.
Der globale Ressourcenverbrauch hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdreifacht und wächst jährlich um über 2,3 Prozent. Er ist der Haupttreiber des Klimawandels, des Biodiversitätsverlusts und der Umweltverschmutzung. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, droht bis 2060 ein weiterer Anstieg um 60 Prozent – mit drastischen Auswirkungen und massiven Beeinträchtigungen auf Umwelt, wirtschaftlichen Wohlstand und menschlichen Wohlergehens. Diese Entwicklung zeigt klar: Die ökologische Tragfähigkeit unseres Planeten ist begrenzt – und wir überschreiten seine Belastungsgrenzen längst. Deshalb braucht es eine grundlegende Veränderung unseres wirtschaftlichen Handelns.
Die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele ist nur durch eine systematische Entkopplung möglich: Die negativen Umweltwirkungen des Ressourcenverbrauchs müssen deutlich sinken, während der gesellschaftliche Nutzen steigt. Besonders Länder mit hohem Einkommen – und zugleich deutlich höheren Materialverbrauch pro Kopf – sind hier gefordert. Der Bericht macht aber auch Hoffnung: Wenn wir konsequent handeln, können wir den Ressourcenverbrauch senken, die Wirtschaft transformieren, Ungleichheiten abbauen – und gleichzeitig das Wohlbefinden steigern. Die effektivsten Hebel dafür liegen in unseren großen Versorgungssystemen: Ernährung, Mobilität, Wohnen und Energie. Hier müssen wir gezielt Ressourcenintensität verringern und Kreisläufe schließen.
In den Worten des Umweltökonomen Herman Daly: Nicht Kapital oder Arbeit sind heute der limitierende Faktor – sondern die Umwelt und unsere natürlichen Ressourcen. Wer seine Wirtschaft zukunftsfähig aufstellen will, muss die Umweltkosten drastisch senken. Die gute Nachricht: Es gibt viele wirtschaftlich attraktive Beispiele für nachhaltiges Wirtschaften – und eine Kreislaufwirtschaft, die Klimaziele und Wertschöpfung gemeinsam denkt, ist keine Utopie, sondern eine zukunftsweisende Strategie. Sie bietet wirtschaftlich attraktive Lösungen, etwa im Bauwesen durch ressourcenschonende Baumaterialien und moderne Fertigteile, durch Elektromobilität, in der Landwirtschaft durch regenerative Anbaumethoden und in der Energieversorgung durch den Ausbau Erneuerbarer Energien. All diese Bereiche bergen enormes Potenzial – auch und gerade für Österreich. Ein schönes Beispiel: In Canberra, Australien, entstehen derzeit nachhaltige Gebäude mit Holzbauteilen aus Österreich. Das zeigt: Kreislaufwirtschaft kann Innovation, Handel und Umweltschutz zusammenbringen – und Stärken „Made in Austria“ weltweit sichtbar machen.
Doch technischer Fortschritt allein reicht nicht. Es braucht mutige politische Entscheidungen, neue gesellschaftliche Narrative und ein verändertes Konsumverhalten. Unternehmen haben hier eine besondere Verantwortung – nicht als Problemverursacher, sondern als zentrale Akteure des Wandels. Sie verfügen über das Know-how und die Innovationskraft, um den Übergang zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft mitzugestalten. Das Ziel ist klar: ein gutes Leben für alle – innerhalb der planetaren Grenzen. Ich bin überzeugt: Wenn wir Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenbringen, dann ist dieser Wandel möglich. Lassen Sie uns die Erkenntnisse und Inspirationen dieses Forums nutzen, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen – für eine nachhaltige Zukunft in Österreich, Europa und weltweit.
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(01.12.2025)



