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Holzbau und Kreislaufwirtschaft – ein Widerspruch?

Von der Planung über den Bau bis zum Rückbau entscheidet sich, ob Materialien im Kreislauf bleiben oder verloren gehen. Diese Breakout- Session beleuchtete zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze für mehr Zirkularität im Bauwesen. Im Fokus standen dabei generelle Strategien zirkulären Bauens – etwa aus Liechtenstein oder österreichweiten Forschungsprojekten – sowie das Potenzial von Holz als zirkulärem Baustoff.

Impulse aus dem Alpenraum

Die Moderation übernahm Christina Bauer von der Wirtschaftsabteilung des Landes Salzburg, das heuer aktiv an der österreichisch-liechtensteinischen Präsidentschaft der makroregionalen Strategie für den Alpenraum (EUSALP) mitwirkt und sich in dieser Rolle besonders für das Thema Kreislaufwirtschaft im Bausektor engagiert. Dabei steht das Ziel im Zentrum, gemeinsame Strategien für ein kreislauffähiges Bauen und Sanieren im Alpenraum zu entwickeln. Dazu zählen etwa die Harmonisierung bestehender Standards, der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten und die Förderung praxisnaher Lösungsansätze. Denn der Bausektor ist nicht nur einer der größten Ressourcenverbraucher in Europa, sondern auch ein zentraler Hebel für ökologische Transformation und Klimaanpassung. Daher richtet sich der Blick auf die Frage, wie Bestandsgebäude zukunftsfähig saniert und gleichzeitig neue, langlebige und zirkuläre Bauweisen realisiert werden können. Einen praktischen Zugang zum Thema bot Clarissa Rhomberg mit Einblicken aus dem Projekt ZirkuLIE in Liechtenstein. Ziel ist der Aufbau einer Wissens- und Netzwerkplattform, die Akteur:innen aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt und bestehende Ansätze im Bereich zirkuläres Bauen sichtbar macht. Besonders betont wurde die Bedeutung früher Planung, transparenter Materialinformationen und der Etablierung eines Bewusstseins für die Wiederverwendung von Bauteilen. Auch der Blick über nationale Grenzen sowie niederschwellige Beratungsangebote für Bauherr:innen sind zentrale Elemente des Ansatzes in Liechtenstein. 

Holz im Kreislauf – Status quo und Handlungsbedarf

Veronika Reinberg stellte erste Ergebnisse des Projekts HolzKreislauf vor, das die Holz-Massenflüsse in und aus dem Bausektor analysiert. Demnach wurden 2021 rund 12 % des in Österreich eingeschnittenen Sägerundholzes zu Bauprodukten verarbeitet. Gleichzeitig machten Bau- und Abbruchholz über 40 % der gesamten Holzabfälle aus – mit hoher Recyclingquote, aber deutlich niedriger Wiederverwendungsrate. Als zentrale Barrieren für zirkuläres Bauen mit Holz wurden fehlende Normen, hohe Kosten für Sortierung und Lagerung, mangelndes Know-how sowie rechtliche Unsicherheiten identifiziert. Insbesondere das Fehlen standardisierter Prüfverfahren für Reuse-Bauteile erschwert deren Einsatz. Auch die Nachnutzung von Gebäuden ist schwer planbar, was langfristige Zirkularitätskonzepte limitiert. Als mögliche Hebel wurden u. a. gezielte Ausschreibungen, verstärkter Wissenstransfer, BIM-basierte Planungsprozesse sowie eine rechtliche Anpassung an zirkuläre Nutzungsformen benannt. Ein Praxisbeispiel zeigte, wie sich Rückbaubarkeit und Wiederverwendbarkeit bereits heute umsetzen lassen: Ein in Holz-, Lehm- und Strohbauweise errichtetes Gebäude in Tattendorf wurde mit modularen, zerstörungsfrei lösbaren Verbindungen konzipiert – mit dem Ziel, möglichst viele Bauteile erneut nutzen zu können. 

Forschung für die Wiederverwendung

Martin Weigl-Kuska präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Projekt TimberLoop, das sich mit der stofflichen Rückführung von Massivholz beschäftigt. Die technische Aufbereitung von Altholz – etwa für tragende Bauteile, Brettschichtholz oder keilgezinkte Vollholzprodukte – wurde anhand konkreter Materialprüfungen analysiert. Dafür wurden Sortiermerkmale definiert, Kriterienkataloge entwickelt und die Eignung von Altholz für verschiedene Nutzungsstrategien bewertet. Ein zentrales Instrument ist das Rückbauaudit, mit dem Holzbauteile im Rückbau systematisch auf ihre Wiederverwendbarkeit geprüft werden – etwa hinsichtlich Holzfeuchte, Schadstoffgehalt oder Verbindungsmitteln. Erste Ergebnisse zeigen, dass viele Bauteile bei geeigneter Qualität erneut als tragende Bauelemente verwendet werden könnten. Auch die Weiterverarbeitung zu Lamellen für Brettschichtholz wurde geprüft und zeigte vielversprechende Ergebnisse. Die Studien unterstreichen das Potenzial, das im Bestand steckt – um dieses zu heben, ist jedoch intensive Forschungsarbeit gefordert, um Standards, Klassifizierungen und Sicherheitsanforderungen für Sekundärholz zu definieren.

Take-Home-Messages
  • Materialwahl, Rückbau und Wiederverwendung müssen früh mitgedacht und einheitlich geregelt werden. Dafür braucht es auch Normen, die Wiederverwendung und Rückbau nicht bremsen, sondern gezielt fördern. 

  • Holz bietet große Chancen für den Kreislauf: Massivholz kann technisch gut wiederverwendet werden – dafür braucht es passende Prozesse und Rahmenbedingungen. 

  • Fortschritt entsteht im Miteinander: Nur durch Kooperation und Wissenstransfer kann die Bauwende gelingen.

Weiterführende Informationen
  • Dieser Text fasst eine Breakout Session mit Clarissa Rhomberg (ZirkuLIE), Veronika Reinberg (ÖGUT), Martin Weigl-Kuska (Holzforschung Austria) und  Christina Bauer Land (Salzburg/EUSALP & Moderation) zusammen, die im Rahmen des Sechsten Nationalen Ressourcenforums im Mai 2025 in Salzburg stattfand. Weitere Informationen zum Sechsten Nationalen Ressourcenforum finden Sie hier.

  • Alle Präsentationen finden Sie hier.

  • Die Breakout-Session wurde in Kooperation mit der EU-Alpenraumstrategie (EUSALP) organisiert.

(01.12.2025)

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