It’s the (circular) economy, stupid! Wachstum neu denken in einer Welt am Limit
Das Potenzial der Circular Economy ist schon Jahre lang unumstritten. Doch noch immer hinkt die Umsetzung ihrem Potenzial hinterher. Trotzdem sehe ich gerade jetzt 3 große Hoffnungsschimmer, die - falls richtig umgesetzt - Europa und Österreich eine große Chance geben, eine ‘Circular Society als das europäische Lebensmodell dieses Jahrzehnts” umzusetzen. Ein echter “Game Changer” ist der Report von “Mr EU Economy” Mario Draghi, früherer Chef der EZB. In seinem Bericht „Draghi report on EU competitiveness“ rückt er das ökonomische Potenzial stärker, denn je in den Mittelpunkt europäischer Transformationsstrategien.
Antreiber 1: Der Draghi Report - Europas Chance für ein zukunftsfähiges Lebensmodell
Der von Mario Draghi 2024 vorgelegte Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit der EU identifiziert die Notwendigkeit, neue Wachstumsmotoren und Innovationen zu erschließen, um Europas wirtschaftlichen Rückstand gegenüber den USA und China aufzuholen. Zugleich rückt der Report den beschleunigten Ausstieg aus der Linear-Wirtschaft in den Fokus und plädiert für deutlich stärkere Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die grundlegende These: Nur mit massiven Investitionen, der Förderung von Innovation und insbesondere dem Ausbau zirkulärer Wirtschaftsstrukturen gelingt es, Europas Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern sowie die Abhängigkeit von externer Rohstoffversorgung zu reduzieren. Draghis Strategie schafft also einen Rahmen, in dem die Circular Economy nicht als Öko-Utopie, sondern als Motor wirtschaftlicher Resilienz und industrieller Erneuerung positioniert wird. Aktuell werden auch weitere Circular Economy Initiativen in der EU diskutiert. Ein Hauptziel des Berichts besteht darin, Europas Anfälligkeit für geopolitische Risiken und Lieferkettenstörungen zu reduzieren. Die Circular Economy ist laut Draghi das strategische Instrument, um „Rohstoffsouveränität“ herzustellen, also Abhängigkeiten von weltweiten Primärrohstoffmärkten und fossilen Importen abzubauen. Das europäische Lebensmodell, das soziale Sicherheit und nachhaltigen Wohlstand favorisiert, steht unter Druck – hier werden durch die Kreislaufwirtschaft resiliente, regionale Wertschöpfungsketten geschaffen und Arbeitsplätze gesichert. Die Transformation hin zu kreislauforientierten Industrien wird damit zum Motor einer eigenständigen, robusten europäischen Wirtschaftsweise, die auf Ressourcenschonung, Digitalisierung und Innovation basiert. Der Report betont auch, dass die Umsetzung der Circular Economy klare politische Regeln und einen ambitionierten Ordnungsrahmen braucht. Dazu gehören eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, gezielte Förderprogramme für Kreislaufmodelle, der Aufbau einer europäischen Forschungsagentur sowie erleichterte Kapitalzugänge für grüne Investitionen.
Antreiber 2: Ressourcenkrise als Chance auf eine Zeitenwende
Der Ukraine-Krieg, die wachsenden Rohstoff-Volatilitäten und „Times of Deals“, etwa unter Trump, verlangen nach neuen ökonomischen Antworten. Die Circular Economy liefert diese, indem sie Wege aufzeigt, Rohstoffverbrauch drastisch zu senken und Staaten wie Unternehmen unabhängiger von importierten Grundstoffen zu machen. Gerade in Zeiten, in denen die USA und China Handelspolitik als Machtinstrument nutzen und Lieferketten zunehmend fragil werden, kann die Umstellung auf Kreislaufwirtschaft helfen, die wirtschaftliche Souveränität Europas und einzelner Firmen zu stärken. Zirkuläre Geschäftsmodelle ermöglichen den Aufbau lokaler Wertschöpfung, die Basis für mehr lokale hochqualitative Arbeitsplätze offeriert. Die „vier R-Strategien“ – wie Reduce, Recycle, Reuse, Replace – sind strategische Eckpfeiler, um Wertschöpfung zu erhöhen und Risiken zu minimieren. Ein weiteres Beispiel aus der politischen Praxis zeigt, dass Kreislauflösungen mitten im industriepolitischen Diskurs stehen, auch wenn unter der neuen US-Regierung hier wieder einiges aufgeschnürt werden wird. Unter US-Präsident Biden setzte auch die US-Regierung auf kreislaufbasierte Strategien zur Sicherung von Lieferketten und zur Förderung von Innovation – etwa im Batterie- und Recyclingsektor. In Europa bedeutet das, mit der Circular Economy eine Antwort auf Handelssanktionen, Rohstoffknappheit und volatile Preise zu haben, die mit traditionellen linearen Modellen nicht gelingen wird.
Antreiber 3. Neue Innovationen und Geschäftsmodelle: Von klassischen Produkten zum Service-Ökosystem
Ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Potenzial der Circular Economy liegt in Innovation und neuen Geschäftsmodellen. Unternehmen ersetzen lineare Wertschöpfung zunehmend durch zirkuläre Strategien, die Kosten senken, Erträge stabilisieren und neue Märkte erschließen. Zentrale Fakten sind, dass Kreislaufmodelle Produktlebenszyklen verlängern, Reparaturen und Wiederaufbereitung ermöglichen und durch Sharing- wie Service-Modelle neue Einnahmequellen schaffen. Studien zeigen, dass Unternehmen durch die Wiederverwendung und das Recycling von Materialien die Kosten für Rohstoffe und Abfallmanagement signifikant senken und zudem Energieeinsparungen erzielen. Innovative Geschäftsmodelle, etwa „Product-as-a-Service“, industrielle Symbiosen oder digitale Plattformen für Second-Hand- und Refurbishment-Produkte entstehen. Bekannte Beispiele wie Vinted, Back Market oder Loop Industries zeigen das enorme wirtschaftliche Potenzial: Sie reduzieren Abhängigkeiten von Primärrohstoffmärkten, schaffen neue Einkommensströme und eröffnen Möglichkeiten für branchenübergreifende Partnerschaften in regionalen Netzwerken. Gleichzeitig spielt die Integration von Design-for–Circularity, die Nutzung von Daten und Plattformtechnologien sowie die Entwicklung von Rücknahme- und Reparaturnetzen eine wachsende Rolle in der Wertschöpfung der Zukunft.
Die Chancen für Unternehmen Nachhaltiger Profit und verbesserte Mitarbeiterbindung durch Circularity
Für Firmen ergeben sich zwei zentrale ökonomische Thesen: Erstens dient die Circular Economy als Antwort für Unternehmen, die nachhaltigere Gewinne und Resilienz anstreben. Zweitens wirkt die Circular Economy direkt gegen ein weit verbreitetes Problem: die sinkende Mitarbeiterbindung. Zirkuläre Unternehmen binden Mitarbeitende aktiv in nachhaltige Transformationsprozesse ein, fördern Teamzusammenhalt und ermöglichen Sinnstiftung durch ökologisch wie gesellschaftlich relevante Ziele. Durch die Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäftsstrategie, die Führungskräfteentwicklung und den täglichen Betrieb können Unternehmen ein gesteigertes Engagement, eine höhere Bindung und mehr Innovationskraft ihrer Mitarbeiter verzeichnen. Dies kann laut Studien zu einer 40%igen Steigerung der Mitarbeitermotivation und einer stärkeren langfristigen Geschäftsleistung. Nicht zuletzt bringen österreichische Unternehmen viel unternehmerische DNA mit, um die Circular Economy zur größten Business Opportunity unserer Zeit zu machen. Oder, wie Holcim-CEO Jan Jenisch sagt: „Circular economy is the business opportunity of our times.“
Lassen Sie uns diese Chance gemeinsam wahrmachen!
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(01.12.2025)



