Kreislaufwirtschaft für die regionale Entwicklung
Zum Auftakt ordnete Helmut Frischenschlager die Thematik wissenschaftlich ein: Bereits sechs von neun planetaren Grenzen seien überschritten – auch der Ressourcenverbrauch läge deutlich über verträglichen Werten. Eine Transformation des Wirtschaftssystems sei daher unumgänglich.
Dabei gelte es, Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft gemeinsam zu denken: Während die Bioökonomie fossile Rohstoffe durch nachwachsende ersetzt, zielt die Kreislaufwirtschaft auf die Schließung von Stoffkreisläufen ab. Im Zentrum steht Biomasse – ihre nachhaltige Herstellung, Ernte, Nutzung und regionale Wertschöpfung sind zentrale Bausteine für eine resiliente Wirtschaft. Frischenschlager hob hervor, wie wichtig es ist, hierzu regionale Innovationssysteme zu aktivieren – beispielsweise über LEADER, Klima- und Energie-Modellregionen, themenspezifische Netzwerke oder andere Instrumente zur Unterstützung von Öko-Innovation. Transformation müsse „ortsbasiert“ erfolgen: mit angepassten Lösungen, sektorenübergreifender Zusammenarbeit und gezielter Förderung im Multi-Level-Governance-System. Ziel sei eine starke regionale Handlungsebene, die im Sinne der transformativen Innovationspolitik als Übersetzerin zwischen Bundes-, Landesstrategien und lokaler Initiativen und Praxis fungiert.
Strategien für eine zirkuläre Wirtschaftsregion
Melanie Eggel stellte das Konzept der Circular Region Oberösterreich vor. Ziel ist es, bis 2030 zur führenden Modellregion für zirkuläre Wirtschaft in Europa zu werden. Dafür wurden nicht nur Einzelprojekte gestartet, sondern eine breite Technologie- und Innovationsplattform geschaffen, getragen von der Wirtschaftsagentur des Landes Oberösterreich (Business Upper Austria). Zentrale Schwerpunkte sind u.a. Kunststoffe & Verpackungen, Metallindustrie, Textilien, Lebensmittel, Bauwirtschaft und Batterien. Erste Erfolge zeigen sich in der Technology Roadmap Sustainable Plastics Solutions (TRM SPS), die sektorübergreifende Lösungsansätze bündelt.
Erfolgsfaktoren aus Sicht der Region
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschung, Verwaltung und Zivilgesellschaft
- Community-Bildung („Durchs Reden kommen die Leut’ zam“)
- Wettbewerbsvorteil durch Kreislaufwirtschaft für regionale Unternehmen
- Einbettung in bestehende Strukturen wie Cluster, Förderprogramme und LEADER
Regionale Projekte mit Praxisnähe und Tiefgang
Wie eine Region zu einem Experimentierraum für Kreislaufwirtschaft wird, zeigte Johannes Eßmeister am Beispiel der Kreislaufregion Melk–Scheibbs. Im Fokus stehen sieben Handlungsfelder, darunter u. a. der organische Stoffkreislauf, regenerative Landwirtschaft, regionale Biogaslösungen und Plastikvermeidung. Beispiele aus der Projektarbeit:
- „Kontur-LIP“ – ein Ländliches Innovationsprojekt-LIP zur Reduktion von Bodenerosion durch Konturflächen
- Marktgärtnerei – Kooperationsprojekt zur Förderung kleinteiliger lokaler Gemüse-Produktion
- Regionale Materialflussanalyse – Studierende analysieren Stoffflüsse für eine fundierte Kreislaufstrategie in der Region
- Pyrolyse-Beratung – Kooperation mit der Wirtschaftskammer NÖ und dem Forschungszentrum BEST zur Verwertung biogener Reststoffe
- Trendanalysen mit Beirat – Beteiligung regionaler Akteure zur kontinuierlichen Strategieanpassung
Die Region profitiert dabei von einem aktiven Beirat aus Gemeinden, Wirtschaft, Forschung und Verwaltung. Ziel ist es, konkrete Innovationen zu identifizieren und umzusetzen – und zwar ausgehend von regionalen Bedürfnissen und unter Einbindung lokaler Unternehmen.
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(01.12.2025)



