Kreislaufwirtschaft (regional) messen und monitoren
Was wir nicht messen, können wir nicht managen – das gilt besonders für die Kreislaufwirtschaft. Diese Session widmete sich der Frage, wie zirkuläres Wirtschaften auf sichtbar und steuerbar gemacht werden kann. Expert:innen stellten Indikatoren und Strategien vor, die datenbasierte Steuerung ermöglichen und Regionen bei der Umsetzung ihrer Ziele unterstützen.
Indikatoren als strategische Grundlage
Ein zentrales Vorhaben der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie ist der Aufbau eines geeigneten Monitoringsystems. Erika Ganglberger erläuterte, wie auf Basis von fünf Schlüsselindikatoren ein erweitertes Set an Wirkungskennzahlen entwickelt wird. Dieses soll unter anderem auch Aspekte wie die Lebensdauer von Produkten, den Einsatz von Sekundärrohstoffen oder Veränderungen auf Unternehmensebene abbilden. Ergänzt wird es um soziale und ökologische Dimensionen – etwa Bewusstseinsbildung, Biodiversität oder klimabezogene Wirkungen. Gemeinsam mit anderen Institutionen wurden relevante Wirkungsfelder identifiziert, passende Indikatoren diskutiert und zentrale Anforderungen definiert. Für schwer messbare Bereiche – wie Konsumverhalten, Nutzungsdauer oder Geschäftsmodelle – braucht es neue Erhebungen wie den Circular Business Index. Während Abfalldaten und Recyclingquoten vergleichsweise gut erfassbar sind, zeigen sich bei anderen Themen deutliche Lücken. Hier wird klar: Ohne Strategie und messbare Zielgrößen kann Kreislaufwirtschaft nicht konsequent gesteuert werden.
Praxisbeispiel Südtirol: Kreislaufwirtschaft im Bausektor
Christian Hoffmann leitete am Beispiel des Südtiroler Bausektors dann auf die regionale Ebene über. Eine detaillierte Materialflussanalyse machte sichtbar, welche Stoffgruppen in großen Mengen anfallen und welches Potenzial für Recycling besteht. Verbesserungspotenzial besteht beispielsweise beim Einsatz von Recyclingbeton. Bislang wird dieser nur in geringem Umfang verwendet – einerseits, weil bestehende Normen den Einsatz stark einschränken, andererseits, weil die Aufbereitung teurer ist als bei Primärmaterialien. Hoffmann plädierte daher für eine Anpassung der technischen Rahmenbedingungen – etwa durch die Zulassung unterschiedlicher Betontypen mit variierenden Anteilen an Recyclingmaterial – um ökonomische und regulatorische Hemmnisse abzubauen. Auch bei Dämmstoffen gibt es Handlungsbedarf. Hoffmann unterstrich die Relevanz regionaler Recyclinganlagen und die Notwendigkeit, Materialien künftig möglichst sortenrein zurückzugewinnen, um echte Kreisläufe zu ermöglichen. Der Baustoff Holz wurde als besonders vielversprechend hervorgehoben. Besonders für die modulare Bauweise in urbanen Räumen sowie für regionale Wertschöpfung sei Holz bestens geeignet.
naBe-Monitoring: Nachhaltigkeit messbar machen
Welche Rolle die öffentliche Hand im Transformationsprozess spielt, zeigte Nikolaus Summer. Rund 12,4 % des nationalen Materialverbrauchs entfallen auf den öffentlichen Sektor – entsprechend groß ist sein Einfluss auf Märkte, Produktstandards und Innovation. Um diesen Hebel strategisch zu nutzen, wurde das naBe-Monitoring entwickelt. Es analysiert vier Ebenen: die institutionelle Verankerung (z. B. Weisungen, Beauftragte), die Inhalte öffentlicher Ausschreibungen (Pre-Award), die tatsächlichen Beschaffungsvorgänge (Post-Award) sowie deren gesamtwirtschaftliche Wirkung (Impact). Ziel ist ein integriertes, (teil-)automatisiertes Monitoring entlang des gesamten. Die Herausforderung liegt in der Datenintegration. Erste Pilotversuche im Post-Award-Monitoring zeigen, dass Millionen Rechnungspositionen nur mit digitaler Unterstützung auswertbar sind. Um die Umweltwirkung messbar zu machen, braucht es zudem ein intelligentes Kriteriendesign – etwa durch die Verknüpfung von na- Be-Kriterien mit Lebenszykluskosten oder digitalen Produktpässen. Für Gemeinden seien praktikable Lösungen entscheidend, betonte Summer: etwa die Nutzung zentraler BBG-Services, gemeinsame Vergaben oder regionale Lieferketten. Langfristig gehe es darum Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung systematisch zu steuern statt dem Zufall zu überlassen.
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(01.12.2025)



