Nachbericht | Grün statt Grau. Ökologische Vielfalt wertet Betriebsgelände auf

Wie können „graue“ Gewerbeflächen naturnah umgestaltet werden – und weshalb lohnt es sich eigentlich, sich mit diesem Thema zu beschäftigen? Informationen und Inspirationen zu dieser Frage gab es vergangene Woche in der AlpenAkademie in Marktschellenberg bei einer Veranstaltung des Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice, zu der alle Unternehmer*innen und Eigentümer*innen von Gewerbeflächen eingeladen waren. Diese fand in Kooperation mit der EUREGIO Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein, dem Landratsamt Berchtesgadener Land und dem Ressourcen Forum Austria statt und wurde im Rahmen des Projekts „Flächen sparen und nachhaltiges Flächenmanagement“ durch das Regionalmanagement Bayern gefördert. 

Mehr grün statt grau für mehr Biodiversität (Foto: pixabay.com)

Naturnahe Flächen schaffen Lebensräume

Naturnahe Flächen schaffen Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen und schützen damit die biologische Vielfalt. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie Johanna Schnellinger von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege erzählte: Insektenhotels, Nist- und Fledermauskästen, Steinhaufen oder Tothölzer beispielsweise sind Maßnahmen, die sich leicht umsetzen lassen. Triste Eingangsbereiche können mit heimischen Wildstauden, Teichen und Steinen individuell und attraktiv gestaltet werden. Hecken und Bäume, die vielleicht sogar gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen gepflanzt werden, binden das Unternehmensgebäude harmonisch in die Umgebung ein; Wege und Parkplätze lassen sich durch Rasen- bzw. Splittfugen oder auch Schotter entsiegeln, so dass Regenwasser versickern kann. Und auch Dächer und Fassaden eignen sich hervorragend für eine naturnahe Gestaltung: So schützen begrünte Dächer unter anderem vor extremen Temperaturen und UV-Strahlung, speichern Regenwasser und bieten verschiedenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum; zusätzlich lassen sich hier Solar- oder PV-Anlagen installieren.

Praktische Umsetzung ökologischer Vielfalt

Dass ökologische Vielfalt auf dem Betriebsgelände auch praktisch umsetzbar ist, zeigten die Unternehmen psm protech (Marktschellenberg) und Gebrüder Woerle (Henndorf am Wallersee / Österreich). Irene Wagner und Kerstin Thiel von psm protech berichteten, wie im Lauf der Zeit eine Blüh- und eine Streuobstwiese entstanden, wie aus der Teilnahme am Wildbienenprojekt der Biosphärenregion BGL schließlich eigene psm-Bienen wurden, was es mit dem „Wildbienenbuffet“ am Firmeneingang auf sich hat und wie sich die Artenvielfalt auf den Flächen in den vergangenen drei Jahren positiv entwickelt hat.

Naturnahe Gestaltung von Gewerbeflächen (Foto: psm protech)

Schließlich berichtete Diana Reuter von den Gebrüdern Woerle, wie mit etwas Geduld und viel Einsatz rund 8.500 qm Gelände naturnah gestaltet wurden: Heute finden die Mitarbeiter*innen und Besucher*innen hier beispielsweise bepflanzte Schotterwege und Parkplätze, mehrjährige Blühflächen, Bienenstöcke, natürliche Insektenhotels, Bereiche für unterirdisch nistende Insekten, Wildsträucher, Trockenbiotope sowie seltene, geschützte Pflanzen- und Gehölzarten.

Förderungen und Unterstützungsmöglichkeiten

Unter bestimmten Umständen können entsprechende Maßnahmen übrigens gefördert werden; deshalb stellten Susanne Thomas (Landschaftspflegeverband Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V.) und Andreas Van-Hametner (Ressourcen Forum Austria) die verschiedenen Möglichkeiten in Bayern und im Salzburger Land vor. Und das Engagement lohnt sich: So werden Grünraumressourcen sinnvoll verwendet, das Umfeld wirkt sich positiv auf die Mitarbeiter*innen aus – und nicht zuletzt sind ökologisch verantwortungsbewusste Unternehmen ein positives Aushängeschild für die gesamte Region. (Quelle: Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice)