Nachbericht | Wie geht Nachhaltigkeit in der Krise?

In Salzburg traf sich Anfang Oktober auf Einladung von Industriellenvereinigung Salzburg, Innovation Salzburg und Ressourcen Forum Austria eine Industrie-Gesprächsrunde um die Transformation des Energiesystems, Einsatzszenarien für das Zukunftselement Wasserstoff und das Spannungsverhältnis zwischen kurzfristigen Maßnahmen und nachhaltiger Versorgungssicherheit in der Zukunft zu diskutieren

Strom ist in unserer modernen, nachhaltigen und digitalen Welt die Lebensader von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie. Spätestens mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und der durch die EU-Sanktionen ausgelösten Energiekrise ist eine ernste Bedrohung für die heimische Wirtschaft akut geworden, so der Tenor. Nachhaltige grüne Industriepolitik beschränkt sich aber nicht nur auf hocheffiziente Energieversorgung und den Einsatz erneuerbarer Energien. Ziel der Transformation, weg von CO2-reichen und hin zu CO2-neutralen Energien, ist der ganzheitliche effiziente Einsatz aller Ressourcen, eine resiliente Materialversorgung und der Ausbau einer umfassenden überbetrieblichen Kreislaufwirtschaft. Damit derartige Innovationen auch eine Chance haben und schließlich zu einer wirtschaftlichen Verwertung führen, gibt es eine Vielzahl an österreichischen Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten, die Romana Schwab, Innovation Salzburg zu Beginn der Veranstaltung skizzierte.

Romana Schwab (Leitung Servicecenter Innovation, Innovation Salzburg GmbH), Michael Losch (Sonderbeauftragter für Grüne Industriepolitik, Ständige Vertretung Österreichs bei der Europäischen Union), Brigitte Bach (COO & Vorständin, Salzburg AG), Irene Schulte (GF IV-Salzburg und Vorstand Ressourcen Forum Austria), Gerhard Christiner (Technischer Vorstand, Austrian Power Grid AG); Fotonachweis: IV Salzburg/Kuttner

Aktuelle industriepolitische Entwicklungen & Förderinstrumente

Um den Green Deal in Österreich optimal umzusetzen und die Klimaziele zu erreichen, gilt es, unsere Industriestandorte mit Investitionen und neuen Technologien konkurrenzfähig zu halten und gleichzeitig einen Dekarbonisierungsbeitrag zu realisieren, stellte Michael Losch, Sonderbeauftragter für Grüne Industriepolitik in der ständigen Vertretung Österreichs bei der Europäischen Union klar. Dafür wurden auf EU-Ebene diverse Förderinitiativen eingerichtet bzw. aufgestockt. Zur Entwicklung strategischer Achsen wurde Mitte 2021 eben ein eigener Sonderbeauftragter in der ständigen Vertretung Österreichs in Brüssel installiert.

Wasserstoff als Klimaretter?

Im Anschluss an die Ausführungen von Michael Losch, stellte Brigitte Bach, innovative Ansätze und Aktivitäten der Salzburg AG in Bezug auf die Wasserstoffherstellung und -versorgung vor. Überschüsse aus erneuerbaren Energien speichern und diese später in Strom und Wärme umwandeln – das kann Wasserstoff mit seiner hohen Energiedichte. Diese Eigenschaften machen das häufigste chemische Element des Universums zu einem mittlerweile sehr begehrten Grundstoff, der als vielversprechende Option, vor allem in den energieintensiven Bereichen für eine klimafreundliche Zukunft gilt – als Treibstoff bewährt er sich bereits. Grund genug für die Salzburg AG, Aufbau und Betrieb einer Wasserstoff-Demoanlage zu unterstützen und diese Antriebstechnologie im Bundesland zu testen.

Management der Energiewende

Den Vormittag rundete ein Beitrag über die Herausforderungen des Energiewendenmanagements seitens Gerhard Christiner von Austrian Power Grid (APG) ab. Die (APG) hat den Auftrag, Österreich sicher mit Strom zu versorgen und somit die Verantwortung für die Versorgungssicherheit des Landes. Die Basis hierfür ist ein kapazitätsstarkes, robustes Stromnetz, ein Kraftwerksmix bestehend aus Wind-, Wasser- sowie Pumpspeicherkraftwerken sowie der laufenden Abstimmung mit anderen nationalen Netzbetreibern, aber auch international mit den europäischen Übertragungsnetzbetreibern. Die Dekarbonisierung der österreichischen Gesellschaft und der Ausbau der Erneuerbaren sind herausfordernd für Netzbetreiber und fordern ständige Anpassungen, so Christiner.

Diskussion

In der abschließenden Diskussion stand die Notwendigkeit der Transformation von Energie- und Produktionssystems auch in der Krise außer Frage. Intensiv diskutiert wurde allerding die Rolle Europas  und die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Standorts.