zur Übersicht
Produzierende Wirtschaft

Open Innovation for Green Transformation

Wie können Unternehmen durch offene Innovationsprozesse neue, nachhaltige Lösungen entwickeln? Welche Erfolgsfaktoren braucht es für funktionierende Kooperationen – und wie gelingt die Umsetzung in der Praxis? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Webinars „Open Innovation for Green Transformation“, das am 26. März 2025 vom Ressourcen Forum Austria in Kooperation mit der 2030 Green Academy veranstaltet wurde. Expert:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft zeigten in inspirierenden Impulsen und Praxisbeispielen, wie Open Innovation zur Triebkraft für die grüne Transformation werden kann – und warum es dabei auf das richtige Mindset, verlässliche Partnerschaften und Vertrauen ankommt.

Innovationskraft durch Kooperation

Florian Iro, Präsident des Ressourcen Forum Austria und Geschäftsführer der Erdal GmbH, begrüßte die Teilnehmenden mit einem klaren Statement: „Kooperation ist ein zentraler Hebel für die grüne Transformation.“ Das Ressourcen Forum wolle praxisnahe Lösungen aufzeigen, wie Unternehmen ressourcenschonender wirtschaften können – und Open Innovation biete dafür eine ideale Grundlage. Wissen zu teilen und gemeinsam zu entwickeln sei heute kein Nachteil mehr, sondern ein Wettbewerbsvorteil.

Open Innovation als Systemwandel

In ihrem Impulsvortrag beleuchtete Marion Poetz die Entwicklung von Innovationsprozessen im Zeitverlauf: Vom einsamen Tüftler über stark abgeschottete Forschungsabteilungen bis hin zu offenen, kollaborativen Systemen. Heute, so Poetz, sei Wissen breit verteilt – und Innovationskraft entstehe dort, wo Unternehmen dieses Wissen gezielt vernetzen und externe Akteure einbinden.

Anhand eindrucksvoller Beispiele – etwa einer NASA-Challenge, die durch einen pensionierten Ingenieur gelöst wurde, oder der ersten biologisch abbaubaren Bierflasche von Carlsberg – zeigte sie, wie Open Innovation konkret wirkt. Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren laut Poetz von der gezielten Zusammenarbeit mit Hochschulen, Start-ups oder anderen Unternehmen. Marion Poetz stellte dann die vier großen Spielarten für Open Innovation vor, die sich nach der Einbindung der Partner und der Entscheidungsfindung unterscheiden. Entscheidend sei, den passenden Modus zu wählen: von Innovation Malls und offene Innovationscommunities über elitäre Co-Creation-Zirkel mit ausgewählten Akteuren bis hin zu strukturierten Konsortien. Es gib kein One-Size-fits-all.

Von Kaffeesatz zum Kreislaufprodukt

Wie Open Innovation in der Praxis aussieht, zeigte Vera Amtmann mit dem Projekt BeanSaver®. Gemeinsam mit Partnern wie ÖBB, OMV und Cafe+Co sammelt BeResilient Kaffeesatz und verwandelt ihn durch Co-Creation mit Forschungseinrichtungen, Start-ups und Studierenden in hochwertige Düngemittel.

Neben dem ökologischen Nutzen – 90 % des Kaffeesatzes landen bislang im Restmüll, wird verbrannt und stellt somit eine unnötige Verschwendung von Nährstoffen dar – überzeugte das Projekt auch durch seine konsequente Systemlogik: Eigene Logistikprozesse, maßgeschneiderte Sammlungssysteme und eine kontinuierliche Einbindung externer Expertise sorgen für innovative, marktfähige Produkte. Open Innovation bedeutet für Amtmann, gemeinsam mit Partnern neue Lösungen zu denken und umzusetzen. Perspektivisch sei sogar die Weiterverwertung anderer Kaffee-Reststoffe angedacht. Dafür setzt man auf Crowdthinking in Kooperation mit Inkubatorprogrammen, NPOs und Studierenden.

Verpackungsinnovationen durch Design for Recycling

Florian Iro präsentierte eindrucksvoll, wie die Erdal GmbH mit ihrer Marke Frosch weltweit Maßstäbe in der ökologischen Reinigung setzt. Im Fokus steht dabei die Schließung sowohl des biologischen als auch des technischen Kreislaufs – also die konsequente Kreislaufwirtschaft von Reinigungsmitteln ebenso wie ihrer Verpackungen. Damit dies gelingt, setzt das Unternehmen auf gezielte Kooperationsinitiativen wie die Recyclat-Initiative, die auf eine verbesserte werkstoffliche Verwertung von Kunststoffverpackungen aus dem gelben Sack abzielt.

Ein zentrales Prinzip ist zudem Design for Recycling: Erdal verfolgt klare Designstandards – etwa transparente Flaschen und Verschlüsse, abwaschbare Etiketten, Nachfüllbeutel sowie den Einsatz möglichst nur einer Kunststoffgruppe – um eine sortenreine Wiederverwertung zu ermöglichen. In diesem Kontext wurde etwa der weltweit erste vollständig recyclingfähige Standbodenbeutel entwickelt: mit abnehmbarer Banderole, Ausgießer und Monomaterialien – weitgehend unbedruckt und frei von Barrieren für die Kreislaufführung. Die Entwicklung wurde bewusst patentfrei gestellt, um eine offene Weiterentwicklung zu fördern.

Als ein weiteres Beispiel stellte Iro einen neuen Sprühkopf vor, der gemeinsam mit einem Kunststoffverpackungsunternehmen entwickelt wurde. Er besteht – mit Ausnahme des Ventils – komplett aus Monomaterial, ist vollständig recyclingfähig, besteht teilweise aus Post-Consumer-Recyclat und wurde hinsichtlich Gewicht maximal reduziert. Auch dieses Bauteil wurde zur freien Nutzung offengelegt. Iro betonte, dass Offenheit entscheidend ist, um ein funktionierendes Ökosystem der Kreislaufwirtschaft aufzubauen.

Wiederverwendbare Verpackung für den Onlinehandel

Mit Post Loop präsentierte Marc Sarmiento von der österreichischen Post eine innovative Antwort auf die enorme Verpackungsflut im Onlinehandel mit täglich rund eine Million Einwegverpackungen. Ziel des Projekts war es, wiederverwendbare Versandlösungen zu etablieren – als ökologische Alternative zu klassischen Einweg- und damit Wegwerfverpackungen.

Der Entwicklungsprozess war von Beginn an offen und nutzerzentriert angelegt. Konsument:innen wurden durch Studien und eine Pilotphase mit mehreren Handelsunternehmen einbezogen. Eine Innovationschallenge sowie Design-Thinking-Workshops lieferten zusätzliche Impulse für die Gestaltung.

Im Zentrum standen Fragen der Alltagstauglichkeit: einfache Rückgabe, funktionale Handhabung und die Möglichkeit zur Individualisierung. Auch ein Pfandsystem wurde erprobt. Rückmeldungen aus der Community flossen kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein, um das System Schritt für Schritt marktfähig und praxistauglich zu gestalten.

Post Loop zeigt exemplarisch, wie durch offene Innovationsprozesse marktfähige Lösungen mit breiter Akzeptanz entstehen können – gerade in einem sensiblen Bereich wie Verpackung und Kreislaufwirtschaft.

Systematische Offenheit für nachhaltigere Mobilität

Wie sich Open Innovation auch in großen Organisationen verankern lässt, zeigte Madeleine Kutschker am Beispiel der ÖBB. Mit der „Open Innovation Factory“ wurde ein interner Innovationsraum geschaffen, in dem Mitarbeitende, Kund:innen und externe Partner gemeinsam an neuen Produkten und Services arbeiten – methodisch begleitet und konzernübergreifend.

Projekte wie der Hack4Rail-Hackathon oder der Aufbau eines Kund:innenpanels (ÖBB Echo) zeigen, wie starkes Community-Management und strukturierte Innovationsmethoden zu nutzerzentrierten Ergebnissen führen können. Innovation passiert nicht zufällig, sondern sie braucht etablierte Strukturen, zeigt das Beispiel ÖBB. Hier werden dadurch Innovationen rund um Produkte, Systeme und Geschäftsmodell angestoßen.

Gemeinsame Ziele, Vertrauen und Daten als Basis

In der abschließenden Diskussion waren sich alle Teilnehmenden einig: Open Innovation ist besonders für die Kreislaufwirtschaft ein starker Hebel, denn komplexe ökologische Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. Doch Offenheit braucht Rahmenbedingungen: ein gemeinsames Zielverständnis, Daten- und Wissensteilung, sowie Vertrauen als Basis für Zusammenarbeit – nicht alles lässt sich im Vorhinein vertraglich fixieren.

Digitalisierung, Leadership und ein transparenter Umgang mit Nutzer:innen sind dabei ebenso entscheidend wie die Bereitschaft, auch im Prozessverlauf Vorteile für alle Beteiligten sichtbar zu machen. Einig war man sich auch darin: Gerade durch das Mitwirken vieler kleiner Akteur:innen können große Transformationen gelingen.

Take-Home-Messages
  • Open Innovation ist Motor für die Kreislaufwirtschaft: Gemeinsame Entwicklungen ermöglichen systemische Lösungen – vom Produkt bis zur Logistik.

  • Vernetzung schlägt Abschottung: Besonders KMUs profitieren vom strukturierten Einbinden externer Partner.

  • Vertrauen und gemeinsame Zielbilder sind entscheidend: Erfolgreiche Kooperation basiert auf klaren Zielen und einer offenen Haltung.

  • Wissen teilen schafft Mehrwert für alle: Offen zugängliche Entwicklungen fördern Innovation im gesamten Ökosystem.

  • Methoden, Räume und Community Management machen den Unterschied: Damit Offenheit funktioniert, braucht es professionelle Strukturen und Führung.

(21.08.2025)

zur Übersicht

Aktuelle News

Das Ressourcen Forum Austria bedankt sich für die Unterstützung von: