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Gemeinden

Schlaglichter regionaler Kreislaufwirtschaft

Einleitend machte Carina Broneder deutlich, warum regionale Initiativen für die Kreislaufwirtschaft von großer Bedeutung sind. Österreich hat seinen „Overshoot Day“ bereits Ende März erreicht.Ziel sei es, von der linearen in eine zirkuläre Wirtschaftsweise zu gelangen und dafür die R-Strategien zu nutzen. Im Rahmen einer Studie des Umweltbundesamts wurden Aktivitäten in allen Bundesländernerhoben. Ergebnis: Es gibt bereits eine Vielzahl guter Ansätze, im Bereich Abfallvermeidung insbesondere zur Wiederverwendung und Reparatur. Für eine wirksame Umsetzung braucht es laut Broneder vor allem drei Dinge: Kooperation, Koordination und Strategie.

Mehrweg in Graz – Systematisch gegen Einweg

Graz setzt gezielt Maßnahmen zur Abfallvermeidung und hat mit der BackCup-Serie ein vielseitiges Mehrwegsystem etabliert. Die Becherund Boxenlösungen für Togo-Getränke, Veranstaltungen, Eissalons und Essenszustellungen wurden gemeinsam mit Partner:innen aus Gastronomie, Eventbranche und Zustelldiensten entwickelt. Christoph Lindmayr betonte, dass die Serie nicht nur praktische Alternativen zum Einweg darstellt, sondern auch das Bewusstsein für Abfallvermeidung in der Stadt stärkt. Ergänzt wird das Angebot durch den Mehrwegbonus, der Schulen, Kindergärten und Vereine bei der Nutzung von Mehrweggeschirr bei Veranstaltungen unterstützt.

Repair Café & Geschirrmobil

Gerhard Pausch stellte zwei etablierte Initiativen aus dem Salzburger Seenland vor. Seit 2015 finden dort regelmäßig Repair Cafés statt. Zwei bis drei Termine jährlich, rund 20 ehrenamtliche Helfer:innen und eine Reparaturquote von etwa 70 % sprechen für sich. Neben der Ressourcenschonung steht hier auch der soziale Aspekt im Mittelpunkt: Menschen kommen zusammen, geben Wissen weiter und reparieren gemeinsam. Ein zweites Projekt ist das Seenland Geschirrmobil – ein Anhänger mit über 1.000 Gedecken. Von Mai bis September ist das Mobil nahezu jedes Wochenende im Einsatz. Trotz Organisationsaufwand (Vertrag, Übergabe, Rücknahme, Reinigung) wird das Angebot gut angenommen. Das Geschirrmobil zeigt, wie bei Veranstaltungen Abfall vermieden werden kann. 

„iverschwendnix“ – Sichtbarkeit für Re-Use schaffen

Mit der Plattform iverschwendnixwurde ein digitales Schaufenster für bestehende Re-Use-Initiativen geschaffen. In einem mehrstufigen Prozess wurden bestehende Projekte erhoben, eine Marke entwickelt und ein Online-Portal aufgebaut. Die Plattform ging im August 2024 mit rund 50 Veranstaltungen und 40 Initiativen online – mittlerweile sind es über 200 Veranstaltungen und 82 gelistete Projekte. Die Plattform hilft, bestehende Aktivitäten sichtbar zu machen, Akteur:innen zu vernetzen und Interessierte zu erreichen. Besonders hervorzuheben: Das Interesse an der Plattform ist auch außerhalb der Region groß und es gibt Erweiterungspläne. 

Gegenstände leihen statt kaufen

Ein kreativer Zugang zur Kreislaufwirtschaft wird in der Stadtbibliothek Linz gelebt: Mit der Dingelei(h) bietet die Bibliothek seit 2021 neben Büchern auch Alltagsgegenstände zum kostenlosen Verleih an – von Werkzeug über Reinigungsgeräte bis hin zu Equipment für Kindergeburtstage. Möglich ist das mit einer einfachen Bibliothekskarte. Ziel ist es, Dinge zu teilen, die man selten oder nur saisonal braucht. Die Maßnahme hat nicht nur breite Aufmerksamkeit erzeugt, sondern zeigt auch: Bibliotheken sind prädestiniert dafür, das Prinzip des Teilens zu stärken – unter anderem weil sie bereits über etablierte Systeme und Prozesse für den Verleih verfügen. 

KüKeN – Küchenabfälle als Ressource nutzen

Haushaltsreste, die beim Kochen anfallen, werden gesammelt und in einer Biogasanlage verwertet – dort entstehen grünes Gas und hochwertiger Dünger. Das Gas wird in das lokale Netz in Bruck an der Leitha eingespeist, während der Dünger in der regionalen Landwirtschaft zum Einsatz kommt. So wird aus Küchenabfall ein Beitrag zur Energiegewinnung und zur Nahrungsmittelproduktion – und der Stoffkreislauf im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. 

Take-Home-Messages
  • Kreislaufwirtschaft beginnt lokal: Gemeinden und Regionen spielen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung – mit konkreten, praxistauglichen Lösungen vor Ort. 

  • Bewusstsein schaffen – sichtbar machen: Re-Use und Repair Initiativen brauchen Sichtbarkeit. 

  • Vielfalt statt Einheitslösung: Wege zur Ressourcenschonung sind so vielfältig wie die Regionen selbst. 

Weiterführende Informationen
  • Dieser Text fasst eine Breakout Session mit Christoph Lindmayr (Stadt Graz), Christian Mynha (Gemeindeverband für Abfallbehandlung Bezirk Bruck/Leitha („GABL“) – KüKen), Betty Häusler (Cubefour), Heike Merschitzka (Stadt Linz), Georg Pausch (Regionalverband Salzburg Seenland) und Carina Broneder (Umweltbundesamt, Moderation) zusammen, die im Rahmen des Sechsten Nationalen Ressourcenforums im Mai 2025 in Salzburg stattfand. Weitere Informationen zum Sechsten Nationalen Ressourcenforum finden Sie hier.

  • Alle Präsentationen finden Sie hier.

  • Die Breakout-Session wurde in Kooperation mit dem Umweltbundesamt organisiert.

(01.12.2025)

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