Wie Kreislaufwirtschaft auch im Tourismus durchstartet
.. und welche Möglichkeiten Hotels, Gastronomie und Destinationen offenstehen, diskutierten engagierte Unternehmer:innen gemeinsam nach einem Impulsvortrag von Andreas Van-Hametner, Geschäftsführer des Ressourcen Forum Austria bei einem Netzwerktreffen der Umwelt Partner Salzburg. Die Diskussion machte klar, dass zirkuläres Wirtschaften auch für Tourismusbetriebe ein wichtiges Zukunftsthema ist!
Neue Perspektiven für eine zirkuläre Tourismusbranche
Die Kreislaufwirtschaft eröffnet dem Tourismussektor neue Perspektiven – ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich. Dabei geht es nicht allein um Abfallvermeidung, sondern um die Transformation des gesamten touristischen Systems – von linearen Nutzungsmodellen hin zu zirkulären Wertschöpfungsketten, in denen Ressourcen, Materialien und Produkte im Kreislauf geführt werden. Durch Langlebigkeit, Wiederverwendung, Reparatur und Recycling kann der Ressourcenverbrauch im Tourismus deutlich reduziert werden. Damit leistet die Branche einen wichtigen Beitrag zu Klima- und Ressourcenzielen – und gewinnt gleichzeitig wirtschaftlich, etwa durch Kosteneinsparungen und neue Geschäftsmodelle.
Kreislaufwirtschaft lässt sich in der Beherbergung entlang von acht zentralen Handlungsfeldern umsetzen:
- Organisation & Strategie,
- Gastronomie,
- Textilien & Arbeitskleidung,
- Mobiliar & Innenausstattung,
- Reinigung,
- Gebäude & Infrastruktur,
- Events sowie
- Mobilität.
In allen Bereichen gelten dieselben Grundprinzipien: Weniger und andere Ressourcen einsetzen – Produkte und Infrastrukturen länger nutzen – und Ressourcen am Ende im Kreis führen. Die Umsetzung orientiert sich dabei auch hier an den „10 R’s“ der Kreislaufwirtschaft: Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle, Recover.
Zirkulärer Tourismus in der Praxis: Cradle-to-Cradle im Hotel Henriette
Das Wiener Hotel Henriette zeigt, wie Kreislaufwirtschaft in Organisation und Design verankert werden kann. Zum Einsatz kommen Produkte aus Recyclingmaterialien, schadstofffreie Baustoffe und Materialien, die am Lebensende wiederverwertet werden können. Beispiele sind:
- Wiederverwendung alter Parkettböden
- Teppiche aus recycelten Fischernetzen
- Kompostierbare Trennwände
- Waschtischplatten aus alten Kühlschränken
- Mineralische Wandfarben
Das Ergebnis: ein überzeugendes Konzept, das als „Circular Living“ bzw. Cradle-to-Cradle-Hotel erfolgreich vermarktet wird.
Zirkulärer Tourismus in der Praxis: Wiederverwendung durch zirkuläre Inventarisierung
Mit dem Projekt „Circular Inventory“ wurden am Beispiel der Hotelerneuerungen im Landhotel Stern und im Alpenresort Schwarz Wege aufgezeigt, Bestände gezielt wiederzuverwenden:
- Inventarisierung vorhandener Möbel und Ausstattung
- Vermittlung über digitale Plattformen oder direkte Kontakte
- Hohe Wiederverwendungsquoten – teils entgeltlich, teils kostenlos
- Kreative Upcycling-Ideen: Vorhänge als neue Dienstkleidung, Holzelemente als Designelemente in renovierten Räumen, instandgesetzte Möbel
Damit entstehen neue Nutzungen für Materialien – sowohl B2B als auch B2C, etwa durch Vereine, andere Betriebe oder Privatpersonen.
Textilien und Lebensmittel effizient im Kreislauf
- Neue Geschäftsmodelle für Textilien und Mobiliar: Neben der Miete von Wäsche werden zunehmend auch Mietmodelle für Möbel, Teppiche oder technische Ausstattung angeboten und genutzt. Diese fördern Reparierbarkeit, Langlebigkeit und Rücknahme durch den Hersteller. Dank modularer Designs und sortenreiner Materialien wird eine geschlossene Kreislaufführung möglich – und durch das Eigeninteresse der Hersteller an Rücknahme und Wiederverwendung wirtschaftlich sinnvoll.
- Lebensmittelabfälle reduzieren: Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Vermeidung vermeidbarer Lebensmittelabfälle. Grundlage ist die systematische Erfassung von Mengen, Zusammensetzung und Ursachen. Bewährte Maßnahmen sind bspw. Anpassung der Portionsgrößen, Optimierte Menüplanung, Nutzung von Resten (z. B. Too Good To Go, Foodsharing) oder Verzicht auf überdimensionierte Buffets.
Großveranstaltungen als Chance: Circular Ski-WM 2025
Auch im Eventbereich bietet Kreislaufwirtschaft Potenzial. Ein Beispiel ist die geplante FIS Ski-WM 2025, die als Green Event umgesetzt wurde. Das von Saubermacher erarbeitete Konzept umfasste Abfallvermeidung durch digitale Kommunikation und Verzicht auf Give-aways, Mehrweg-Lösungen für Speisen und Getränke, Intelligente Sammelinfrastruktur mit Sensorik und E-Mobilität sowie Bewusstseinsbildung für Personal, Besucher:innen und Einwohner:innen. Gemeinsam mit einem interaktiven Feedbacksystem im Zielstadion führten die Maßnahmen zu einer deutlich erhöhten Trennquote.
Relevante Schlagworte
(20.10.2025)




