Projekt Ressourceneffiziente Gemeinde

Das Projekt „Ressourceneffiziente Gemeinde“ wurde von einem Projektkonsortium aus Österreichischem Gemeindebund, Ressourcen Managment Agentur und Ressourcen Forum Austria betreut. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln der LE 14-20, Vorhabensart „StĂ€rkung der Zusammenarbeit von AkteurInnen und Strukturen zur Erhaltung des natĂŒrlichen Erbes & des Umweltschutzes“.

Film zum Projekt: Ressourceneffiziente Gemeinde

Stimmen zum Projekt

“Nachhaltigkeit drĂŒckt sich nicht nur durch Klimaschutz, sondern vor allem auch durch einen bewussteren Umgang mit unseren Rohstoffen aus. In den Gemeinden wird die Zukunft gestaltet. Den BĂŒrgermeisterinnen und BĂŒrgermeistern ist es dabei wichtig, eine lebenswerte Umgebung fĂŒr die nĂ€chste Generation zu schaffen. Daher unterstĂŒtzt der Österreichische Gemeindebund dieses Projekt von Anfang an.“

Alfred Riedl , PrĂ€sident Österreichischer Gemeindebund
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“Ob Klimawandel, Konsumgesellschaft oder Rohstoffknappheit: Mit Investitionen in den Bereichen Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft schaffen wir nachhaltige LösungsansĂ€tze fĂŒr einige der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen unserer Zeit. Viele heimische Gemeinden ĂŒbernehmen bereits eine Vorreiterrolle – zum Beispiel durch nachhaltige Beschaffung oder nachhaltiges FlĂ€chenmanagement. Unser Ministerium unterstĂŒtzt diese AktivitĂ€ten durch Instrumente wie die Umweltförderung im Inland, den Klimafonds und das klimaaktiv- Programm. Helfen auch Sie mit, unsere Umwelt nachhaltig zu gestalten!“

Maria Patek , Bundesministerin fĂŒr Nachhaltigkeit und Tourismus
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“Ressourcenschutz, Klimawandel und Nachhaltigkeit sind nicht nur globale Fragestellungen. Sie betreffen jedes Unternehmen, jeden BĂŒrger und damit auch jede Gemeinde. Die Gemeinden sind nicht nur die kleinste Verwaltungseinheit in Österreich, sondern auch die kleinste gesellschaftliche Einheit. In den Gemeinden werden die globalen Probleme diskutiert, lebensnahe Lösungen gesucht und gefunden. Ohne die Verankerung von Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft in den Gemeinden werden die globalen Ressourcen- und Klimaprobleme nicht gelöst werden. Wir brauchen aber die Ressourcenwende – fĂŒr die Zukunft unserer Wirtschaft und Gesellschaft, fĂŒr die Zukunft unserer Erde!“

Rudolf Zrost , PrÀsident Ressourcen Forum Austria
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Ziel & Partner

Unter dem Titel Ressourceneffiziente Gemeinde arbeitet der Österreichische Gemeindebund zwischen 2016 und 2020 mit dem Ressourcen Forum Austria, der Ressourcen Management Agentur und dem Bundesministerium fĂŒr Nachhaltigkeit und Tourismus zusammen, um Gemeinden auf dem Weg zu einem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen zu unterstĂŒtzen. Das Ziel des Projekts war die österreichischen Gemeinden mit strategischen Grundlagen und praxisorientierten AktivitĂ€ten auf den Weg zu einer gelebten Ressourceneffizienz – im Einklang mit europĂ€ischen und nationalen Vorgaben – zu helfen.

Das Ziel des Projekts Ressourceneffiziente Gemeinde war, die österreichischen Gemeinden beim Übergang zu einem ressourceneffizienten Wirtschaften zu unterstĂŒtzen. Der Schwerpunkt lag dabei auf folgenden drei Themenfeldern

  • Nachhaltige Beschaffung
  • GemeindeĂŒbergreifende Kooperation
  • Nachhaltige FlĂ€chennutzung

Die Zukunft unserer Ressourcen

Der globale Ressourcenverbrauch ĂŒbersteigt die KapazitĂ€ten der Natur. Die Menge an Abfall steigt unaufhaltsam. Die Ressourcenfrage stellt eines der grĂ¶ĂŸten Probleme des 21. Jahrhunderts. Die Steigerung der Ressourceneffizienz und die Entwicklung zu einer Kreislaufwirtschaft zĂ€hlen deshalb zu den entscheidenden Herausforderungen unserer Zeit. Mit dem Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der EU und der Leitinitiative „Ressourcenschonendes Europa“ wurden Impulse fĂŒr den Übergang der europĂ€ischen Wirtschaft Richtung Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz gesetzt. Mit gezielten Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette soll das Wirtschaften in KreislĂ€ufen und damit die WettbewerbsfĂ€higkeit gefördert werden. Das Ziel: Produkte so zu produzieren und konsumieren, dass ihre Ressourcen möglichst lange genutzt werden, sie wenig AbfĂ€lle generieren und CO2-arm sind. Wirtschaften in KreislĂ€ufen wird in Österreich unter anderem durch den Österreichischen Aktionsplan zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung (NaBe) und dem Ressourceneffizienz Aktionsplan (REAP) gefördert. Der REAP setzt als Zielwert die Steigerung der Ressourceneffizienz bis 2020 um mindestens 50 % im Vergleich zu 2008. Die Ecksteine fĂŒr die Realisierung dieser ambitionierten Vision bilden die 10 Maßnahmen in den vier Aktionsfeldern „Ressourceneffiziente Produktion“, „Öffentliche Beschaffung“, „Kreislaufwirtschaft“ und „Bewusstseinsbildung“ im Maßnahmenprogramm.

Die Bedeutung der Gemeinde

FĂŒr die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz braucht es jedoch einen multidimensionalen, integrativen und sektorĂŒbergreifenden Politikansatz mit Schnittstellen zu vielen anderen Politik- und Wirtschaftsfeldern. Dieser Ansatz beginnt im kleinsten Baustein unserer Gesellschaft – der Gemeinde und somit die Schnittstelle von gelebter Politik, Wirtschaft und Sozialem. Umso wichtiger ist es daher, die Umsetzung fĂŒr eine weitreichende Ressourceneffizienz frĂŒhzeitig und nachhaltig in den Gemeinden zu verankern.

In den Gemeinden können Information und Sensibilisierung von EntscheidungstrĂ€gerInnen und BĂŒrgerInnen zum Thema Ressourcen am besten stattfinden und Ideen zu Projekten werden. Österreichweite Vorzeigeprojekte zeigen, dass die Gemeinden das Fundament fĂŒr einen erfolgreichen Übergang zur Kreislaufwirtschaft sind. Außerdem ist die Gemeinde und ihre Vertreter die erste und unmittelbare Kontaktstelle zu den BĂŒrgern. In dieser Funktion ist die Gemeinde auch Vorbild fĂŒr ihre Einwohner und kann so indirekt auf den Umgang mit Ressourcen im privaten Umfeld Einfluss nehmen. Die Palette an Themen und Maßnahmen zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung auf regionaler und lokaler Ebene ist groß. Viele Maßnahmen spielen mit dem Klimaschutz zusammen, Ressourcenschonung geht aber weit darĂŒber hinaus.

Was sind die „Ressourcen“ einer Gemeinde?

Der Begriff „Ressourcen“ wird in vielfĂ€ltiger Weise und verschiedenen ZusammenhĂ€ngen verwendet. Auf europĂ€ischer Ebene gelten beispielsweise Brennstoffe, Metalle, Nahrungsmittel, Boden, Wasser, Luft, BiodiversitĂ€t und Ökosystemleistungen als materielle und nicht materielle Ressourcen. UnabhĂ€ngig von der spezifischen Betrachtungsweise lautet die Zielvorgabe gleich: fruchtbare Böden, ertragreiches Land und intakte Meere, frisches Wasser und saubere Luft.

In der Gemeinde wird ebenfalls ein breites Themenspektrum je nach Entscheidungskontext als Ressourcen interpretiert: von Brauchtums- und Kultureinrichtungen ĂŒber Energie, MobilitĂ€t und Wasser bis zur FlĂ€chennutzung und Schulwesen. Bei möglichen Kooperationen von Gemeinden bei Feuerwehr oder Kultureinrichtungen werden auch ehrenamtliches Engagement oder Bindung zur Ortschaft als Ressourcen wahrgenommen, die es zu schĂŒtzen und zu pflegen gilt.

Somit sind Ressourcen als kein zusĂ€tzlicher, neuer, von außen aufgesetzter Themenkreis fĂŒr die Gemeinde zu verstehen. Ressourcen und Ressourceneffizienz sind als Teil der Lösung konkreter Probleme zu erkennen und festzulegen.

Daher setzt Ressourceneffizienz voraus, je nach Themenfeld und Handlungsbedarf zuerst den Begriff „Ressourcen“ zu definieren. Je nach Inhalt der umzusetzenden Maßnahme kann der Begriff „Ressourcen“ gegen einen passenderen ausgetauscht werden, beispielsweise „Lebensgrundlage“ oder aber prĂ€zisiert werden (z.B. natĂŒrliche Ressourcen). So können die Kommunikation und die nachfolgende Lösungsfindung erleichtert oder weitreichender gestaltet werden.

Handlungsfelder fĂŒr kommunale Ressourcenschonung

Gemeinden können Ihren Ressourcenverbrauch und damit ihre Ressourceneffizienz ĂŒber mehrere zentrale Handlungsfelder beeinflussen. Diese Handlungsfelder umfassen:

  • die Abfallwirtschaft,
  • Energie,
  • FlĂ€chennutzung,
  • MobilitĂ€t,
  • kommunale Beschaffung sowie
  • gemeindeĂŒbergreifende Kooperation.

Strategie Ressourceneffiziente Gemeinde

Eckpunkte der Strategie zur Positionierung des Themas Ressourcen“ in den österreichischen Gemeinden und Initiierung einer Umsetzung

Ziel der Strategie ist, das Thema der Ressourcennutzung so zu verankern, dass dies zukĂŒnftig bei Ideenfindungs- und Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen (Land, Region, Gemeinde, BĂŒrger) bestmöglich BerĂŒcksichtigung findet, damit die vorhandenen Ressourcen möglichst nachhaltig und effizient genutzt werden. Daher empfiehlt die Strategie, zuerst den Begriff „Ressourcen“ im Gemeindekontext klar zu definieren, um sinnvolle und realistische Ziele fĂŒr ihre Bewirtschaftung zu setzen. Anhand dreier von den Gemeinden als besonders relevant eingestuften Themenfeldern und entsprechender Beispiele guter Praxis wird aufgezeigt, wie kleine Schritte eine große Wirkung fĂŒr die zukĂŒnftige Sicherung der Ressourcen haben können. Die angesprochenen Themenfelder sind „Nachhaltige Beschaffung“, „gemeindeĂŒbergreifende Kooperation“ und „Nachhaltige FlĂ€chennutzung“. Ressourceneffizienz soll auch in einem ressourceneffizienten Prozess vorangetrieben werden: so empfiehlt die Strategie, bestehende Initiativen mit ressourcenrelevanten Aspekten zu bĂŒndeln, um mit geringem Aufwand den maximalen Effekt zu erreichen. In diesem Sinne soll innerhalb vorhandener Strukturen (wie KEM und LEADER-Regionen) gearbeitet und UnterstĂŒtzung eingeholt oder angeboten werden.

Zielgruppe der Strategie

Die Strategie wendet sich mit einer Reihe an möglichen AktivitĂ€ten an die wichtigsten Akteure, die es zu mobilisieren gilt: BĂŒrgermeisterInnen, Gemeinderat, Gemeindeverwaltung, Landesregierung, Bevölkerung und Unternehmen, RegionalmanagerInnen sowie ManagerInnen der LEADER- und KEM-Regionen. Die möglichen AktivitĂ€ten bewegen sich auf unterschiedlichen Ebenen, von Programmen auf Bundes- und Landesebenen, bis zu konkreten Initiativen auf Gemeindeebene in den einzelnen Themenfeldern.

Blickfeld Erweitern – Einzelteile zusammenfĂŒhren

Ressourceneffizienz ist komplex, da sich der Begriff „Ressourcen“ auf ein sehr umfangreiches Themengebiet bezieht. Die KomplexitĂ€t ergibt sich aus dem Zusammenspiel ökologischer, ökonomischer und sozialer Gesichtspunkte. Daher fokussieren sich vorhandene Initiativen meist auf einzelne Aspekte der Ressourcennutzung.

Im Sinne eines umfassenden Ressourcenbegriffs, soll bei laufenden Programmen und Initiativen ressourcenrelevante (Neben)Aspekte, die von diesen AktivitĂ€ten mit beeinflusst werden, bewusst mehr Beachtung geschenkt werden. Dabei geht es vor allem darum, den Aspekt der Ressourcennutzung und Ressourceneffizienz den vorhandenen Zielvorgaben und Ergebnissen zur Seite zu stellen und bei der Kommunikation der Ergebnisse entsprechend zu berĂŒcksichtigen.

Die Ergebnisse vieler schon laufender Einzelinitiativen auf Gemeindeebene sind so zusammenzufĂŒhren und aufeinander abzustimmen, dass deren Nutzen und Auswirkungen auf die Ressourcen darstellbar wird. Sofern noch nicht vorhanden, sollen Auswirkungen der Ergebnisse auf die Ressourcenverwendung auch im Rahmen einer Ex-post-Evaluierung aufgezeigt und quantifiziert werden.

Vorhandene Strukturen nutzen: Vom Abfallwirtschaftsverband bis zur LEADER- und KEM-Region

Die AbfallwirtschaftsverbĂ€nde bieten ein erfahrenes Netzwerk sowohl in der Ressourcenschonung als auch in der Kommunikation auf Gemeindeebene. Parallel dazu initiieren die AbfallwirtschaftsverbĂ€nde teilweise eigene Angebote, von Repair-Cafes ĂŒber Tausch-Plattformen bis zur Vermeidung von LebensmittelabfĂ€llen.

Als Mitglied der lokalen AbfallwirtschaftsverbĂ€nde beeinflusst die Gemeinde direkt ihr TĂ€tigkeitsfeld. So könnte die Weiterentwicklung des Abfallwirtschaftsverbandes zu einem an die lokalen Gegebenheiten und BedĂŒrfnisse angepassten Ressourcenwirtschaftsverband angeregt und gefĂŒhrt werden.

Mit den Regional-, KEM- und LEADER-ManagerInnen und Einheiten sind fast flĂ€chendeckend Strukturen vorhanden, um Projekte zu entwickeln, zu finanzieren und zu begleiten. Die ManagerInnen bringen relevantes Fachwissen in die Gemeinden. Die Gliederung in Regionen ermöglicht die BerĂŒcksichtigung der gemeindeĂŒbergreifenden Sichtweisen und die IndividualitĂ€t der Gemeinden. Diese Strukturen erlauben somit, das Thema Ressourcen stĂ€rker in Angriff zu nehmen:

  • LEADER Programm: die bestehende Verbindung zwischen natĂŒrlichen Ressourcen und kulturellen AktivitĂ€ten kann im Aktionsfeld 2 „NatĂŒrliche Ressourcen und kulturelles Erbe“ gelöst werden. Methoden können auch entwickelt werden, um die nachhaltige Ressourcennutzung in den Aktionsfelder 1 „LĂ€ndliche Wertschöpfung“ und 3 „Gemeinwohl-Strukturen“ zu verankern.
  • KEM-Programm: derzeit auf Maßnahmen im Klima- und Energiebereich ausgerichtet, bietet es jedoch Überschneidungen mit dem Thema Ressourcen an. Bei der Weiterentwicklung des Programms soll daher der Themenkreis mittelfristig um das Thema Ressourcen erweitert werden.

Von Erfahrungen anderer profitieren: Erkenntnisse nutzen

Wie das „Bilderbuch der Möglichkeiten“ und der „Maßnahmenkatalog“ zeigen, haben die österreichischen Gemeinden immense Erfahrungen und Fachwissen aus praktischen Projekten bei den Themen „Nachhaltige Beschaffung“, „FlĂ€chennutzung“ und „GemeindeĂŒbergreifende Kooperation“ generiert. Diese Expertise soll österreichweit nutzbar gemacht werden – z.B. mittels einer Webseite oder Datenbank, wo ihr Wissen strukturiert eingetragen wird. Auch Projektergebnisse aus den LEADER- und KEM-Regionen können aufgenommen werden. Gemeinden, welche in die Praxis der Ressourceneffizienz neu einsteigen wollen, können so auf diesen Erfahrungen aufbauen und eventuell im persönlichen Kontakt UnterstĂŒtzung erfahren.

UnterstĂŒtzung bieten

Auf regionaler Ebene: Vor allem kleineren Gemeinden fehlt es oft an Mitarbeitern mit speziellem Wissen, um Projekte zu speziellen Fragestellungen umzusetzen und zu kommunizieren. Auf regionaler Ebene ist daher die von den Regions-, LEADER- oder KEM-ManagerInnen erbrachte Expertise fĂŒr die Gemeinden oft entscheidend.

Auf Landesebene: Das Bundesland hilft mit der Vorgabe der beabsichtigten Richtung der Weiterentwicklung den Gemeinden, ihren individuellen Weg der Umsetzung zu entwickeln. Eine weitere UnterstĂŒtzung bieten die FachreferentInnen der Landesregierung als primĂ€re Anlaufstelle der Gemeinden fĂŒr fachliche AuskĂŒnfte.

Auf Bundesebene: UnterstĂŒtzung benötigen Gemeinden bei der (verwaltungs-)juristisch einwandfreien Umsetzung von Projekten, insbesondere bei der gemeindeĂŒbergreifenden Kooperation und der nachhaltigen Beschaffung. Bundesinitiativen sind den Gemeinden bekannt, werden aber nur in besonderen FĂ€llen in Anspruch genommen. Beispielsweise werden beim Einkauf die Angebote des Beschaffungsservice Austria nur bei großen Anschaffungen in Anspruch genommen, welche im Umfeld der Gemeinde fehlen.

Handlungsbedarf und Akteure: KrĂ€fte bĂŒndeln!

Die Umstellung auf Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft in den Gemeinden ist ein komplexer und anspruchsvoller Prozess, welcher konsequente Handlung in allen Lebensbereichen und die Mobilisierung aller betroffenen Akteure von Gemeinde ĂŒber Wirtschaft bis Verwaltung voraussetzt. Die Akteure: Landesverwaltung, Bundesverwaltung, Gemeinde, Programm- und RegionalmanagerInnen, Bevölkerung, lokale Wirtschaft. Zu den wichtigsten AktivitĂ€ten zĂ€hlen folgende PrioritĂ€ten:

Ressourcen thematisieren:

  • Ressourcen klar nach Thema definieren
  • Klimaschutzstrategien und -programme um den Ressourcenaspekt erweitern
  • Verbindungen zwischen Klimaschutz, Ressourcennutzung und beabsichtigte Entwicklung aufzeigen, nutzen, kommunizieren

Koordination zwischen Bund und LĂ€ndern um Gemeinden zu erreichen:

  • RegelmĂ€ĂŸiger Austausch zwischen Bund und LĂ€ndern
  • Ziele und Rahmenbedingungen fĂŒr Ressourceneffizienz abstimmen und vorgeben

Ergebnisse und Erfahrungen nutzen und verbreiten:

  • Ergebnisse geförderter Projekte in Bezug auf Ressourceneffizienz auswerten
  • Ergebnisse strukturiert zugĂ€nglich machen und verbreiten

UnterstĂŒtzung der Gemeinden sichern:

  • Finanzierung von Programm- und RegionsmanagerInnen sichern und ausbauen
  • Gesetzgebung auf Ressourceneinsatz prĂŒfen und harmonisieren
  • Förderprogramme, Siegel und Auszeichnungen von Bund und LĂ€ndern an Ressourceneffizienz anpassen
  • Lehrgang „Management kommunaler Ressourcen“ fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte in den Gemeinden Landesverwaltung Bundesverwaltung Gemeinde Programm- und Regionalmanagement Bevölkerung lokale Wirtschaft

Der Nutzen fĂŒr die Gemeinden: Was bringt die Strategie den Gemeinden?

Als kleinste Verwaltungseinheit haben die Gemeinden eine wesentliche Stellung in der Umsetzung von Vorgaben in die Praxis und konkret im Umgang mit den Ressourcen im Gemeindegebiet. Durch das Setzen von PrioritĂ€ten im eigenen Verwaltungsbereich nehmen die Gemeinden Einfluss auf Art und Umfang der Verwendung von Ressourcen im Gemeindegebiet. Die Gemeinde und ihre Vertreter sind weiters die erste und unmittelbare Kontaktstelle zu den BĂŒrgern. In dieser Funktion ist die Gemeinde auch Vorbild fĂŒr ihre Einwohner und kann so indirekt auf den Umgang mit Ressourcen im privaten Umfeld Einfluss nehmen.

Der Nutzen der Strategie fĂŒr die Gemeinden umfasst:

  • Konstruktiver Fokus auf die konkreten Ressourcen in der Gemeinde: Identifizieren und in AktivitĂ€ten einbinden, die Ergebnisse weit zu verbreiten
  • Praktischer Fokus auf bestehende Hilfeleistungen: KEM-, LAG-, LEADER-ManagerInnen, Fachreferate in den Landesregierungen unterstĂŒtzen die Gemeinden
  • Förderprogramme in Anspruch nehmen, um Ressourceneffizienz zu steigern
  • Ressourceneffizienz bringt finanzielle Vorteile fĂŒr die Gemeinde
  • Klar erkennbare RĂŒcksicht auf BedĂŒrfnisse der BĂŒrgerInnen seitens der Gemeinde
  • Die Gemeinde wird zukunftsfit
  • Die Gemeinde trĂ€gt entscheidend zum Umweltschutz bei.

Die drei Themenfelder der Strategie

Auf Grundlage der Ergebnisse und Erfahrungen der Umfrage, wurde fĂŒr das Positionieren des Themas „Ressourcen“ bei den österreichischen Gemeinden als primĂ€re Themenfelder nachhaltige Beschaffung, nachhaltige FlĂ€chennutzung und gemeindeĂŒbergreifende Kooperation gewĂ€hlt.

GemeindeĂŒbergreifende Kooperation

Wirtschaftlichkeit und Investitionshöhe fĂŒr ressourceneffiziente Maßnahmen können eine Herausforderung insbesondere fĂŒr kleinere Gemeinden darstellen. Somit ist es oft sinnvoll, ihre KrĂ€fte zu bĂŒndeln, um die AnsprĂŒche fĂŒr mehr Ressourceneffizienz zu erfĂŒllen. Diese Kooperation kann von gemeinsam betriebenen Altstoff- und Recycling-Höfen ĂŒber Schulen und Expertise bis zu Verwaltungsaufgaben und Kommunalsteuersplitting reichen.

Eine gemeindeĂŒbergreifende Nutzung der Infrastruktur senkt nicht nur die Kosten der Gemeinden, sondern auch deren Ressourcenverbrauch. Dies kann vor allem fĂŒr kleine Gemeinden sehr attraktiv sein, die bisher aus KostengrĂŒnden von Investitionen, wie beispielsweise der Einrichtung eines Bauhofs, Abstand nahmen.

Eine gemeindeĂŒbergreifende Nutzung der Infrastruktur senkt nicht nur die Kosten der Gemeinden, sondern auch deren Ressourcenverbrauch. Dies kann vor allem fĂŒr kleine Gemeinden sehr attraktiv sein, die bisher aus KostengrĂŒnden von Investitionen, wie beispielsweise der Einrichtung eines Bauhofs, Abstand nahmen.

Nachhaltige Beschaffung

Bestehende Konsum- und Produktionsmuster gilt es nachhaltiger, ressourcen- und energieeffizienter zu gestalten, um auch kĂŒnftig eine hohe Umwelt- und LebensqualitĂ€t sicherzustellen. Die öffentliche Hand ĂŒbt dabei eine wichtige Vorbildfunktion fĂŒr Wirtschaft und Bevölkerung aus. Die nachhaltige Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen seitens der öffentlichen Hand folgt lt. Bundesvergabegesetz den GrundsĂ€tzen:

  • angemessener Preis
  • Bestbieterprinzip
  • Umweltgerechtigkeit
  • gesellschaftliche Aspekte (Soziales, Innovation)

Es ist somit der öffentlichen Hand möglich, ressourcenrelevante Aspekte in den BeschaffungsvorgĂ€ngen zu berĂŒcksichtigen.  Nachhaltige Beschaffung umfasst die Beschaffung hochwertiger und umweltfreundlicher Produkte und Leistungen, die den Anforderungen von Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und ZweckmĂ€ĂŸigkeit entsprechen und bei deren Herstellung oder Einbringung soziale Standards (gerechter Lohn etc. eingehalten werde. Die nachhaltige Beschaffung im öffentlichen Bereich bezieht sich zum Beispiel auf die folgenden Elemente:

  • BĂŒromaterial, Gartenbau, Graphisches Papier, Green Events, Hochbau, Tiefbau, Innenausbau, Beleuchtung, IT-GerĂ€te, Lebensmittel, MobilitĂ€t, Möbel, Reinigung, Strom, Textilien, Winterdienst

Dem Themenfeld kommunale Beschaffung wird bislang von den Gemeinden eine untergeordnete Bedeutung zuerkannt. Das Auftragsvolumen der Gemeinden ist jedoch enorm und die Vorbildwirkung in Bezug auf Energie- und Ressourceneffizienz in der Beschaffung ist dementsprechend groß.

Effiziente FlÀchennutzung

FlĂ€che ist eine begrenzte und daher kostbare Ressource. Die Nutzung von FlĂ€che ist eng mit dem Erhalt unserer Böden, GrundgewĂ€sser und Artenvielfalt verknĂŒpft. Die Bodenversiegelung in Österreich nimmt rasant zu, was zu negativen Folgen auch fĂŒr die verfĂŒgbaren landwirtschaftlichen FlĂ€chen fĂŒhrt. Der sparsame Umgang mit FlĂ€che ist daher zu einer ökologischen aber auch wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Unter nachhaltiger FlĂ€chennutzung versteht man die Vermeidung zusĂ€tzlicher Bodenversiegelung in den Siedlungen sowie die Vermeidung von Zersiedelung, zum Beispiel durch die Vermeidung von LeerstĂ€nden, die Wiedernutzung/den Umbau eines leerstehenden GebĂ€udes, die Revitalisierung von Ortskernen und versiegelten GrĂŒnflĂ€chen sowie die Mehrzwecknutzung bestehender FlĂ€chen (z.B. alternative DachflĂ€chennutzung (BegrĂŒnung, Stromerzeugung etc.)).

Empfehlungen

Auf Grundlage der Erkenntnisse aus der Befragung und den vielen Kontakten mit GemeindevertreterInnen in Workshops und PilotaktivitÀten lassen sich folgende Empfehlungen ableiten.

Wie das Thema Ressourcen in der Gemeinde positionieren?

Ein- und Abgrenzung des Begriffs „Ressourcen“

Um das Thema Ressourcen in den Mittelpunkt des Interesses zu rĂŒcken, braucht es neben Multiplikatoren auf regionaler Ebene auch zielgruppenorientierte Begrifflichkeiten, wie beispielsweise „gesellschaftliche Ressourcen“, „Lebensgrundlagen“ oder „Kreislaufwirtschaft“ mit Bezug zur EU in Ressourcenthemen.

Programme auf Bundeslandebene

Bei der Konzeption von Programmen sollen Richtung, PrioritĂ€ten und Themen fĂŒr Ressourceneinsatz und -effizienz entlang der Wertschöpfungskette vom Land vorgegeben werden. FĂŒr die Umsetzung sollen jedoch genĂŒgend Entscheidungs- und GestaltungsspielrĂ€ume fĂŒr die Gemeinden freigelassen werden.

Gemeinden mit Regions-, LEADER-, KEM-ManagerInnen unterstĂŒtzen

Die Aufgabengebiete der RegionalmanagerInnen sollen entsprechend erweitert werden, um das Themenfeld Ressourcen und der Ressourceneffizienz auf Gemeindeebene abdecken zu können. Die Position wÀre lÀngerfristig abzusichern und unter UmstÀnde auch personalbezogen auszubauen.

AbfallwirtschaftsverbÀnde einbeziehen

Die jahrzehntelange Erfahrung der AbfallwirtschaftsverbÀnde in der Verwertung und Vermeidung von AbfÀllen auf Gemeindeebene soll in der Ressourcennutzung aktiv genutzt und um weitere Aspekte der Ressourceneffizienz erweitert werden.

Gesetzeslage prĂŒfen und harmonisieren

Die Ressourcennutzung ist eine sehr komplexe Querschnittsmaterie. Es wird vorgeschlagen, Gesetze und Verwaltungsvorschriften auf ihren Einfluss auf Ressourceneffizienz zu prĂŒfen, um Konflikte zwischen ihren Forderungen zu bereinigen. Nur konfliktfreie gesetzliche Rahmenbedingungen erlauben den Gemeinden, ressourcenschonende Maßnahmen umzusetzen.

Förderprogramme auf Ressourcenrelevanz prĂŒfen und Ergebnisse nutzen

In LEADER agieren 77 Lokale Aktionsgruppen mit mehreren Gemeinden. In KEM arbeiten 772 Gemeinden in 91 Modellregionen. Dazu kommen noch Projekte auf Gemeindeebene außerhalb dieser beiden Programme. Die Ergebnisse dieser großen Anzahl an Projekten sollen in Hinblick auf Ressourcennutzung strukturiert und allgemein zugĂ€nglich gemacht werden. In den Förderprogrammen auf Bundes- und Landesebene ist der Bezug zu Ressourcennutzung und -effizienz stĂ€rker zu betonen bzw. aufzunehmen.

Auszeichnungen auf Ressourcenrelevanz prĂŒfen und Kriterien modifizieren

Eine große Anzahl an Auszeichnungen und Labels fĂŒr Gemeinden existiert sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene. Neben der attraktiven Kommunikation nach draußen bringen Auszeichnungen auch den Vorteil fĂŒr die Gemeinde, dass laufende Ausgaben und AktivitĂ€ten zum gegebenen Schwerpunkt nicht immer wieder begrĂŒndet werden mĂŒssen. Daher sollen die Kriterienkataloge der Auszeichnungen auf die Aufnahme des Themas Ressourcen harmonisiert bzw. die neue Auszeichnung „Ressourceneffiziente Gemeinde“ ĂŒberlegt werden.

Empfohlene AktivitÀten in den drei Themenfeldern

Themenfeld Nachhaltige Beschaffung

Auf Bundes- und auf Landesebene sind entsprechende Portale und Serviceangebote fĂŒr die nachhaltige kommunale Beschaffung installiert und eingefĂŒhrt. Auf diese greifen die Gemeinden in der Regel fĂŒr außertourliche Anschaffungen zurĂŒck. RegelmĂ€ĂŸige BeschaffungsvorgĂ€nge werden von den Gemeinden im eigenen Umfeld abgewickelt. Es sollen die vorhandenen Kriterien fĂŒr Nachhaltigkeit fĂŒr alle BeschaffungsvorgĂ€nge der öffentlichen Hand, somit auch fĂŒr die Beschaffungen der Gemeinden im eigenen Umfeld, verbindlich gefordert werden. Diese Anwendung der Nachhaltigkeitskriterien auf lokaler Ebene durch die Gemeinde fĂŒhrt auch zu neuen Impulsen bei den lokalen Lieferanten und somit auch zu einer Ökologisierung des Angebots fĂŒr die Bevölkerung.

Themenfeld GemeindeĂŒbergreifende Kooperation

Kooperation zwischen Gemeinden ist gelebte langjĂ€hrige Praxis aufgrund der Zusammenarbeit beispielsweise bei Abfallentsorgung, Wasserversorgung, Abwasserreinigung oder weiterfĂŒhrenden Schulen. Sensibel sind die Gemeinden in Bereichen, wo es um die Bindung der BĂŒrgerInnen zur eigenen Gemeinde geht, weil die Gemeinden auf ihr Engagement angewiesen sind, wie bei der Freiwilligen Feuerwehr. Ebenso differenziert sehen Gemeinden den gemeinsamen Betrieb von Einrichtungen, wenn dies zwar fĂŒr die Gemeinde von Vorteil ist, jedoch mit zusĂ€tzlichem Aufwand fĂŒr die EinwohnerInnen durch weitere Anfahrtswege verbunden ist. Beispiele sind Kindergarten, Volksschule, Schwimmbad oder Veranstaltung- und Freizeitzentrum. Vor allem in personellen Fragen gibt es erfolgreiche Beispiele mit der gemeinsamen Anstellung von ExpertInnen und SachverstĂ€ndigen z.B. im Baubereich und bei der öffentlichen Auftragsvergabe und -abwicklung. Die juristische Umsetzung solcher personellen Kooperationen ist derzeit aufwendig. Vereinfachungen durch entsprechende VerĂ€nderungen der gesetzlichen Regelungen auf Landes- und Bundesebene kann dazu beitragen, Kooperationen im Bereich des Personals auf Gemeindeebene zu fördern.

Themenfeld Nachhaltige FlÀchennutzung

Das örtliche Entwicklungskonzept ist die Basis fĂŒr Entscheidungen bei FlĂ€chenwidmung und Bebauung. In diesem Rahmen haben die Gemeinden die Möglichkeit, auch Überlegungen zu einer ressourcenschonenden Nutzung der bestehenden FlĂ€chen zu berĂŒcksichtigen. Bei der Ressource FlĂ€che steht dem öffentlichen Interesse des sparsamen Umgangs jedoch das private Eigentum des Einzelnen gegenĂŒber. Neben dem Ankauf von Immobilien, was schon aus finanziellen GrĂŒnden nur eingeschrĂ€nkt möglich ist, haben Gemeinden derzeit kaum Möglichkeiten, auf die EigentĂŒmer von ungenutzten oder leerstehenden FlĂ€chen im privaten Eigentum Einfluss zu nehmen. Die Gesetzgebung ist gefordert, den Gemeinden passende Ansatzpunkte und Werkzeuge fĂŒr die Belebung von Leerstand und gewidmeten, aber ungenutzten FlĂ€chen bereitzustellen. Eine Möglichkeit ist die Gemeinden zu ermĂ€chtigen, die Grundsteuer fĂŒr nicht genutzte GrundstĂŒcke zu erhöhen bzw. an die Art der tatsĂ€chlichen Nutzung anzupassen. Auf Landesebene könnten in die Bauordnungen Maßnahmen zur Reduktion des FlĂ€chenverbrauchs aufgenommen werden, beispielsweise die Verpflichtung bei Einkaufszentren die erforderlichen StellplĂ€tze in einer Tiefgarage unter dem Einkaufszentrum unterzubringen.

Downloads

Bilderbuch der Möglichkeiten "Ressourceneffiziente Gemeinde"

BroschĂŒre LeuchttĂŒrme der Kooperation

BroschĂŒre Ressourceneffiziente Gemeinde

Maßnahmenkatalog Ressourceneffiziente Gemeinde

Projektposter Ressourceneffiziente Gemeinde